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Text und Fotos Friedrich Klawiter
ZIRKUS AEROS
Elxleben (Erfurt), 03. 03. 2018

http://zirkus-aeros.com
Mit einem Gastspiel in der Landeshauptstadt Erfurt startete die Familie Schmidt mit ihrem Zirkus Aeros in die neue Saison. Mit großem Einsatz und besonderem Enthusiasmus lässt man seit mehr als einem Jahrzehnt den traditionsreichen Namen in neuem Glanz erstrahlen. Man bietet in einem erstklassigen Umfeld ein höchst unterhaltsames, leistungsstarkes Programm und im tierischen Bereich herausragende Darbietungen wie sie in der heutigen Zeit auch in Großunternehmen nur höchst selten präsentiert werden. Ein Circus der begeistert.
Die thüringische Landeshauptstadt verfügt seit einiger Zeit nicht mehr über einen Circusplatz, deshalb musste der Zirkus Aeros in die Nachbargemeinde Elxleben ausweichen.
In einem Gewerbegebiet war der stattliche Circus großzügig aufgebaut. Der mächtige, prachtvoll gestaltete Kassenauflieger beherrscht die große elegante Front. Ein langgestreckter Zaun, dessen Felder in exzellenter Weise mit Tiermotiven in Airbrush-Technik gestaltet sind, flankiert den Fassadenwagen zu beiden Seiten.
Das blau-weiß gestreifte Viermasten-Chapiteau wird von einer langgestreckten Kuppel, auf der der Namenszug in meterhohen beleuchteten Lettern prangt, gekrönt.
In der Dunkelheit lassen unzählige Lichter an der Front, am Fassadenwagen und an den Abseglungen den Circus funkeln.
Ein neuer voluminöser Stall, optisch passend zum Spielzelt, bietet den vielen Tieren des Circus Aeros eine komfortable Unterkunft.
Der umfangreiche, größtenteils aus Sattelaufliegern bestehende Fuhrpark ist in exakter Formation auf dem Gelände aufgefahren. Die Fahrzeuge sind in stahlendem weiß mit blauen Fahrgestellen lackiert und tragen in großen roten Lettern den Circusnamen. Die Zugmaschinen wurden in der Winterpause in edlem Silber lackiert.
Der bestens sortierte Verkaufswagen der Circusrestauration hat seinen Platz gegenüber dem Eingang ins Chapiteau.
Im Zelt-Innern herrscht eine heimelige Atmosphäre. Die rote Zeltplane ist mit einer blau-weißen Gurtung versehen. Ein Gitterrohrrahmen umfasst den raumbeherrschenden Artisteneingang. Die große Gardine aus schwerem rotem Samt wird von zahlreichen geschmackvollen goldenen Applikationen strukturiert. Die nostalgisch inspirierten weißen Logenbrüstungen tragen, genau wie die Logenstühle, rote Samthussen und und zeigen ein elegantes goldfarbenes Dekor.
Ein sechsreihiges Bankgradin komplettiert das Sitzplatzangebot.
Mit einer modernen, ausschließlich mit LED-Technik ausgerüsteten, leistungsstarken Lichtanlage wird das Programm gekonnt in Szene gesetzt. Zahlreiche LED-Lichtschnüre - u.a. an den Masten, am Artisteneingang, an Requisiten und Kostümen - unterstützen mit ihren Effekten das stimmige Konzept.

Das dreiköpfige hauseigene Orchester unter der Leitung von Bernhard Schmidt bietet mit Keyboard, Schlagzeug - Marlon - und Trompete - Marvin - einen erstklassigen, die Show enorm verstärkenden Sound.

Die Gestaltung der erstklassigen Show liegt in den Händen der jungen Generation der Familie Schmidt. Bei der Programmauswahl setzt man voll auf die drei klassischen Säulen der Manegenkunst - wobei die Direktion mit Stolz - und mit Recht - auf die besondere Wertschätzung exzellenter Tierdarbietungen in ihrem Hause hinweist - und setzt dieses Konzept in erstklassiger Weise um. Mit modernen Gestaltungselementen, z.B. dem hauseigenen Ballett gelingt eine zeitgemäße, flott ablaufende Inszenierung ohne Längen oder „schwarze Löcher“.
Stimmungsvoll startet die Spielfolge mit dem Auftritt von Denise auf dem gespannten Silberdraht. Die junge Frau bietet in einem romantisch gestylten Auftritt eine ausgereifte und vielseitige Kür. Zahlreiche Balancen und Schrittfolgen werden gekonnt ausgeführt und für den besonderen Drive sorgt Marvin, der die Aktionen mit seiner Trompete in der Manege begleitet.
Die Moderation liegt in den Händen von Juliana Schmidt, die seit Saisonbeginn auch die neue Direktorin des Unternehmens ist. Die sympathische junge Frau heißt das zahlreich erschienene Publikum herzlich willkommen und redegewandt stellt sie ihre Familienmitglieder vor und versorgt die Besucher mit den notwendigen Informationen.
Im Verlauf des Programms präsentiert sie eine elegante Säbelbalance auf dem Piedestal. Ein Schwert und anschließend eine hohe Stange mit einer Kugel obenauf werden auf der Stirn balanciert und über die hohe Leiter getragen. Das Schwert mit drei lodernden Fackeln auf dem Knauf steht Spitze auf Spitze auf dem Munddolch und wieder führt der Weg der Artistin über die Leiter.
Jan Szeibe präsentiert eine Jonglage mit einem Röhrenkubus. In eine lange schwarze Robe gekleidet wirbelt er das glänzende Requisit mit scheinbarer Leichtigkeit umher.

Die erste der exzellenten Dressur-Darbietungen präsentiert Christiano mit den Exoten des Hauses. Kamel, Dromendar, Lamas, Longhornrind, Zebras und Esel laufen unter der ruhigen und souveränen Peitschenführung des Tierlehrers ihre Figuren. Schließlich kommt ein Friese hinzu und läuft völlig selbständig Achten um die auf zwei Tonneaus stehenden anderen Tiere. Mit dem tiefen durchstecken des Kopfes zwischen den auf der Piste ruhenden Vorderhufen findet der Auftritt seinen gelungenen Abschluss.
Vor der Pause ist die temperamentvolle und risikoreiche Jockey-Reiterei der „Geschwister Aeros“ platziert. Christiano, Marvin und Denise beherrschen ein umfangreiches Repertoire erstklassig ausgeführter Tricks. Keulenjonglage auf dem Pferde, Salto in die Manege und diverse Sprünge auf das Pferd gehören neben einer Reihe anderer Aktionen zu den Tricks, die die beiden Herren bieten, während Denise mit einer Reihe Voltigefiguren zu gefallen versteht. Temporeich und sicher läuft der Auftritt ab.
Eine herausragende Reiter-Darbietung eröffnet den zweiten Teil des Programms. Chantal vereint hierbei zunächst Quick-Change und Ballerina zu Pferd zu einem eindrucksvollen, equestrichen Leckerbissen. Hula Hoop auf dem Pferderücken beschließt diesen Teil des Auftritts. Nun kommt Christiano mit einem zweiten Kaltblutpferd dazu und mit einem trickstarken „Pas de Deux“ wird der Auftritt fortgesetzt. Gekonnt werden die genretypischen Figuren ausgeführt und das abschließende Zwei-Mann-Hoch bildet den Höhepunkt der fulminanten Evolutionen.
Aber noch ist die Spitze der Tierdarbietungen nicht erreicht. Diese präsentiert Don Medrano, alias Adi Schmidt, mit seiner Freiheitsdressur der Meisterklasse - dem Höhepunkt des erstklassigen Programms. Vier Kamele und vier weiße Araberhengste präsentieren vielseitige und anspruchsvolle Abläufe in perfekter Ausführung. Gegenläufige Volten der Kamele und Pferde, Fächer und Gruppensteiger der Pferde zwischen den abliegenden Kamelen sind einige Beispiele für die anspruchsvollen Abläufe, die der erfahrene Dresseur mit nur selten zu erlebender Souveränität ausführen lässt.
Besondere Highlights sind die Da Capos mit denen der hervorragende Dressur-Act komplettiert wird. Zunächst flechten drei Araber aus der Kuppel herabhängende Bänder zu einem Zopf. In einem flüssig ablaufenden Rhythmus, ohne zögern und ohne Fehler absolvieren sie die Manegenrunde.
Den, von drei Pferden parallel ausgeführten „Drehsteiger“ haben wir bisher noch in keinem anderen Unternehmen präsentiert bekommen. Ein eindrucksvoller dreifacher Steiger entlang der Piste beendet die exzellente Darbietung. Wir ziehen den Hut vor dieser Leistung.

Clown „Pauli“ - Marvin Schmidt - ist in dieser Saison mit zwei Entrées in der Show vertreten. Zunächst versucht er sich als Kunstschütze. Mit Hilfe einer Zuschauerin möchte er den „Tellschuss“ auf einen Luftballon wagen, doch zahlreiche Ballons zerplatzen vor der Zeit, ehe es zum finalen Schuss kommt. Im zweiten Teil der Show dirigiert der August ein Orchester aus sechs freiwilligen Mitspielern, die auf allerlei obskuren Instrumenten ihr Bestes geben.
Zwei Tänzerinnen begleiten Chantal und Elena bei ihrer Hohen Schule im spanischen Stil in der Manege. Stimmungsvolle Bilder zaubert die harmonische Interaktion der Tänzerinnen und Reiterinnen in den roten Ring. Im zweiten Teil des Auftritts wechseln Chantal und Elena das Genre und präsentieren eine gelungene Trickfolge an den Strapatentüchern. Nach einigen gelungenen Partnertricks sorgen spektakuläre Abfaller für die notwendige Spannung auf den Rängen.
Eine weitere Luftnummer arbeitet Ashanti am Netz. Gekonnt werden die vielseitigen Tricks präsentiert und auch dieser Auftritt gewinnt durch Marvin, der mit seiner Trompete in der Manege für eine romantische Untermalung sorgt, an Publikumswirksamkeit.

Mit einem Serpentinentanz leiten die vier Tänzerinnen des Balletts die Feuernummer von Marvin Frank ein. Meterhohe Feuersäulen stößt der Fakir in Richtung Zeltkuppel aus. Mit lodernden Fackeln streicht er über seine Arme und verlöscht die Flammen im Mund.
Erstklassige Handstandartistik präsentiert Christiano auf dem Flaschenstuhl. Auf einem sehr hohen Piedestal ruht der erste Stuhl auf vier passgenauen Stützen. Nach einem erstklassig und kraftvoll ausgeführte Handstand wird dem labilen Gebilde jeweils ein weiterer Stuhl hinzugefügt und schließlich bilden fünf von ihnen einen hohen Turm unter den Händen des Artisten. Zum gelungenen Abschluss des Auftritts läuft der Artist im Handstand die Treppe zur Manege hinab.
Den artistischen Höhepunkt beim Gastspiel in Elxleben bietet das Duo Szeibe mit seiner Darbietung am Haltestuhl. Wir haben diese Nummer schon mehrfach in verschiedenen Unternehmen genossen, aber noch in keinem wurde sie derart in Szene gesetzt und präsentiert wie hier. Wir danken der Regie für dieses Erlebnis. Die attraktive Trickfolge an dem heutzutage fast nicht mehr zu sehenden Requisit wird gekonnt gearbeitet und kommt beim Publikum bestens an. Beide Artisten agieren als Porteure und mit den diversen, kraftvoll ausgeführten Wirbeln erreicht der Auftritt seinen Höhepunkt.
Anstelle eines Finales spielt Marvin eine letzte Melodie auf der Trompete und Manegensprecherin Juliana bedankt sich für den herzlichen Applaus und mit den Abschiedsworten "echten guten Circus kann nur im Circus sehen" wird das zu einhundert Prozent begeisterte Publikum in die Dunkelheit der Nacht entlassen.
Wer tierisch guten Circus erleben möchte, traditionell, modern, leistungsstark, kann nur angeraten werden sich auf den Weg in Deutschlands Osten zum Zirkus Aeros zu begeben. Wünschen wir der jungen Direktion weiterhin alles Gute.