optimiert



Text und Fotos Friedrich Klawiter
ZIRKUS AEROS
Elxleben (Erfurt), 19. 10. 2019

http://zirkus-aeros.com
Der traditionsreiche Name „Zirkus Aeros“ wird von der Familie Schmidt seit langen Jahren zu neuem Leben erweckt. Können, Einsatz und Enthusiasmus lassen ihn in neuem Glanz erstrahlen. In einem exzellent gestalteten Umfeld wird das - wie immer - leistungsstarke, abwechslungsreiche Programm, das immer wieder mit ganz besonderen Gänsehaut-Momenten aufwartet, in hervorragender Weise präsentiert.
In einem Gewerbegebiet war der stattliche Circus in exakter Formation aufgebaut. Der mächtige, prachtvoll gestaltete Kassenauflieger beherrscht die große elegante Front. Ein langgestreckter Zaun mit integrierten Lichterbögen flankiert den Fassadenwagen zu beiden Seiten.
Das blau-weiß gestreifte Viermasten-Chapiteau wird von einer langgestreckten Kuppel, auf der der Namenszug in meterhohen beleuchteten Lettern prangt, gekrönt. Unzählige Lichter an der Fassade, am Zaun und an den Abseglungen der Zelte transportieren die romantische Ambiance des Circus.
Ein neuer voluminöser Stall, optisch passend zum Spielzelt, bietet den vielen Tieren des Circus Aeros eine komfortable Unterkunft.
Die Zugmaschinen, in schimmerndem Silber lackiert, sind in einer langen Reihe aufgefahren und die strahlend weiß lackierten Auflieger, mit blauen Fahrgestellen und großen roten Lettern mit dem Circusnamen beschriftet, nehmen den Raum rings um die Zelte ein.
Der bestens sortierte Verkaufswagen der Circusrestauration hat seinen Platz gegenüber dem Eingang ins Chapiteau.
Heimelige Atmosphäre herrscht im innen roten, mit blau-weißer Gurtung geschmückten Chapiteau.
Ein Gitterrohrrahmen umfasst den raumbeherrschenden Artisteneingang. Die große Gardine aus schwerem rotem Samt - mit dem goldenen Namen Aeros - wird von zahlreichen geschmackvollen goldenen Applikationen strukturiert. Die nostalgisch inspirierten weißen Logenbrüstungen tragen, genau wie die Logenstühle, rote Samthussen und und zeigen ein elegantes goldfarbenes Dekor. Sechs Reihen eines Bankgradin komplettieren das Sitzplatzangebot.
Mit einer modernen, ausschließlich mit LED-Technik ausgerüsteten, leistungsstarken Lichtanlage wird das Programm gekonnt in Szene gesetzt.

Sänger und Leiter des hauseigenen Orchesters, Jeffrey Frank, schafft mit seinem virtuosen Keyboard-Spiel, unterstützt von Justin am Schlagzeug und Marvin Schmidt - einem As an der Trompete - einen exzellenten, energievollen, mireißenden Sound, der einfach nur begeistert und der Super-Show das Sahnehäubchen aufsetzt. Hinzu kommt, das die ausgewählten und einstudierten Melodien die Artisten optimal unterstützen.
Die Gestaltung der erstklassigen Show liegt in den Händen der Young Generation des Hauses. Man vertraut auf die drei klassischen Säulen der Manegenkunst - wobei die Direktion mit Stolz auf die besondere Wertschätzung exzellenter Tierdarbietungen in ihrem Hause hinweist. Mit modernen Gestaltungselementen, z.B. dem hauseigenen Ballett gelingt eine zeitgemäße, flott ablaufende Inszenierung.
Den stimmungsvollen Einstieg in die Spielfolge bietet Miss Denise auf dem gespannten Silberdraht.
In einem romantisch gestylten Auftritt bietet die Artistin eine ausgereifte und vielseitige Kür. Gekonnt werden die zahlreichen Balancen und Schrittfolgen ausgeführt und Marvin sorgt mit seiner Trompete, die Aktionen in der Manege begleitend, für den ersten Gänsehaut-Moment.
Jalina Schmidt, Juniorchefin und engagierte Sprechstallmeisterin des Zirkus Aeros heißt das zahlreich erschienene Publikum herzlich willkommen. Sympathisch und redegewandt stellt die junge Frau ihre Familie vor und sorgt für die nötigen Infos.
Artistisch präsentiert Jalina im Verlauf des Programms eine heute eher selten zu sehende Darbietung mit ihrer perfekten Säbelbalance auf und über eine hohe Leiter. Ein Schwert und bald darauf eine hohe Stange mit einer Kugel obenauf werden auf der Stirn balanciert und über die Leiter getragen. Ein Schwert mit drei lodernden Fackeln auf dem Knauf steht Spitze auf Spitze auf dem Munddolch und erneut führt der Weg der Artistin über die Leiter. Auch hier sorgen Jeffrey Frank und seine Mannen für eine überaus herausragende musikalische Begleitung. Gekonnte Artistik, Erotik und der Sound verschmelzen zu einer selten zu erlebenden Einheit.

Den Reigen der exzellenten Dressur-Darbietungen starten die Exoten des Hauses unter der versierten Peitschenführung von Don Christiano. Kamel, Dromedar, Lamas, Longhornrind, Watussi, Zebras und Esel laufen unter der ruhigen Peitschenführung des Tierlehrers ihre Figuren. Schließlich kommt ein Friese hinzu und läuft völlig selbständig Achten um die auf zwei Tonneaus stehenden anderen Tiere. Mit dem tiefen durchstecken des Kopfes zwischen den auf der Piste ruhenden Vorderhufen findet der Auftritt seinen gelungenen Abschluss.
Einen weiteren tierischen Höhepunkt bietet Don Medrano, alias Adi Schmidt, mit seinen herausragenden Freiheitsdressuren der Sonderklasse. Vor der Pause vereint der erfahrene Tierlehrer drei Kamele und drei junge Dromedar in einem harmonischen Ablauf. Souverän werden die vielfältigen Abläufe geboten.
Als Finalnummer erleben wir ihn mit drei Kamelen und drei weiße Araberhengsten in einem abermals perfekten Auftritt. Vielseitige und anspruchsvolle Figuren - gegenläufige Volten der Trampeltiere und Pferde, gegenläufige Fächer, Gruppensteiger der Pferde zwischen den abliegenden Kamelen seien hier beispielhaft genannt - lässt Don Medrano mit nur selten zu erlebender Souveränität ausführen. Exzellente Da Capo Steiger runden den Auftritt in idealer Weise ab. Chapeau.
Zwei Reiter-Darbietungen komplettieren die Auftritte mit Tieren.
Die temperamentvolle Jockey-Reiterei der „Geschwister Aeros“ bringt ein umfangreiches Repertoire erstklassig ausgeführter Tricks zu Gesicht. Keulenjonglage auf dem Pferde, Salto in die Manege und diverse Sprünge auf das kanternde Pferd gehören neben einer Reihe anderer Aktionen zu den vorzüglich gearbeiteten Tricks, die temporeich und sicher geboten werden.
Zu Beginn des zweiten Teils tritt Mademoiselle Chantal zunächst als Ballerina zu Pferd in Erscheinung. Mehrfach durchquert sie auf dem Pferderücken ein Kabinett und wechselt dabei in Quick Change Manier ihr Kostüm. Hula Hoop auf dem Pferderücken bestimmt den zweiten Teil des Auftritts. Schließlich erleben wir die junge Frau gemeinsam mit Don Christiano mit einem veritablen „Pas de
Deux“. Gekonnt werden die genretypischen Figuren ausgeführt und das abschließende Zwei-Mann-Hoch bildet den Höhepunkt der fulminanten Evolutionen.

Clown „Pauli“ - Marvin Schmidt - versucht sich im ersten Programmteil als Kunstschütze. Der „Tell-Schuss“ soll es sein und eine Besucherin wird flugs zur Assistentin. Doch zahlreiche Ballons zerplatzen vor der Zeit, ehe es zum Meisterschuss kommt. Im zweiten Teil der Show dirigiert der August ein Orchester aus sechs freiwilligen Mitspielern, die auf allerlei obskuren Instrumenten ihr Bestes geben.
Zwei Tänzerinnen begleiten Chantal und Elena bei ihrer Hohen Schule im spanischen Stil in der Manege. Stimmungsvolle Bilder zaubert die harmonische Interaktion der vier jungen Damen in den roten Ring. Im zweiten Teil des Auftritts wechseln Chantal und Elena das Genre und präsentieren eine gelungene Trickfolge an den Strapatentüchern. Vielseitige, gelungene Partnertricks finden in spektakulären Abfallern, die für die notwendige Spannung auf den Rängen sorgen, Ergänzung.

Eine weitere Luftnummer arbeitet Ashanti am Netz. Gekonnt werden die vielseitigen Tricks präsentiert und Marvin verleiht auf seiner Trompete mit dem Auftritt mit dem Nino Rota Song „The Godfather“ den stimmungsvollen Background.
Erstklassige Equilibristik präsentiert Christiano auf dem Flaschenstuhl. Auf einem sehr hohen Piedestal ruht der erste Stuhl auf vier passgenauen Stützen.Mit kraftvoll ausgeführten Handständen arbeitet sich der Artist immer weiter in Richtung Kuppel empor, bis schließlich fünf Stühle einen labilen Turm bilden. Zum gelungenen Abschluss des Auftritts läuft der Artist im Handstand die Treppe vom Piedestal zur Manege hinab.
Anstelle eines Finales intoniert Marvin „My Way“ auf der Trompete und Manegensprecherin Jalina bedankt sich für den herzlichen Applaus und nach den Abschiedsworten, die zutreffender nicht sein können, dass man "echten guten Circus nur im Circus sehen kann" schließt sich der Vorhang.
Hochkarätige Dressurdarbietungen, gute Artistik und Clownerie in Verbindung mit einer hervorragenden Präsentation stellen die Besucher höchst zufrieden und machen den Circus Aeros zu einem jener Unternehmen, die jeden Liebhaber klassischer Circuskunst begeistern.