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Text und Fotos Friedrich Klawiter
13. BRUSSELS CIRCUS FESTIVAL
Brüssel, 09. November 2019

https://bouglione.be
Zum dreizehnten Mal stellte der Cirque Alexandre Bouglione sein mehrwöchiges, die Saison abschließendes Gastspiel in der belgischen Hauptstadt unter das Motto „Brussels Circus Festival“. Dem bewährten Konzept folgend, bildet das ohnehin gute Saisonprogramm die Basis der Show, die mit weiteren attraktiven Darbietungen komplettiert wurde.
Am angestammten Platz im Park von Laken in unmittelbarer Nähe zu Büssels Wahrzeichen, dem Atomium, ist der Circus auch in dieser Spielzeit wieder anzutreffen. Auf der weitläufigen Rasenfläche sind die blau-gelb gestreiften Zeltanlagen aufgebaut. Ein großes Vier-Masten Chapiteau ist die Spielstätte und ein Zweimaster dient als Vorzelt. Die langen Reihen der Fahrzeuge sind unter den hohen Bäumen der angrenzenden Allee abgestellt.
Eine Reihe nostalgischer Circuswagen und der aufwändig gestaltete Kassenwagen bilden im Zusammenspiel mit einem eleganten, mit goldfarbenen  Raubtier- und Elefantenreliefen verzierten, Zaun den attraktiven Eingangsbereich, der neu mit einem eleganten weißen, weit geschwungenen Zeltdach überspannt wurde.
Das Innere des Vorzeltes atmet viel romantische Circus-Atmosphäre. Neue, in den Werkstätten des Circus entstandene Verkaufsstände, großformatige Abbildungen zahlreicher berühmter Artisten und Tierlehrer aus lange vergangenen Zeiten, sowie zwei Vintage Werbefahrzeuge sorgen im Zusammenspiel mit viel liebevoll gestaltetem Zierrat für ein stimmungsvolles Ambiente.
Im Chapiteau stehen das extrem steil aufragende, neunreihige Bankgradin und elegante, aufwändig verzierte, rot-goldene Logen für die Besucher bereit. Der hohe Artisteneingang aus dunkelblauem Samt nimmt den hinteren Bereich des Zeltes ein.
Mit einem exzellenten Lichtdesign und wird die Show in idealer Weise in Szene gesetzt.

„Monsieur Loyal“ Pierre Paillé, ein Gradseigneur der Manege der sich stets als souveräner und eloquenter Manegensprecher präsentiert, hebt an, das Publikum charmant zu begrüßen. Doch jäh wird er unterbrochen - die Auguste Rony, mit einer gewaltigen Kiste auf den Schultern, und Joanes entern das Terrain und verlangen die Direktion zu sprechen. „Abladen“ - „aufladen“ ordnet Joanes ein ums andere Mal an, wenn der strenge „Monsieur Loyal“ wieder einmal ein Engagement der beiden Komödianten abgelehnt hat, bis sie endlich als Clowns angenommen werden. Das nahtlos anschließende Charivari wird von den Clowns und den Damen des Ensembles bestritten und mündet in den poetischen Act mit Seifenblasen von Miss Viviane und Selena Bouglione.
Katrina Markevich präsentiert in einem schwungvollen, fröhlichen Act einen Pudel. Spielerisch werden die Abläufe - diverse Sprünge, Hinterbeinläufe - ausgeführt und ein Hochsitzer auf dem Kopf der Vorführerin beschließt den Auftritt.
Temperamentvoll präsentiert Diabolo-Jongleur Anton Tarbeev sein Können. Immer wieder fliegen die Diabolos hoch in die Kuppel und ein Teil der Tricks findet im Zusammenspiel mit seiner Partnerin Katrina Markevich statt. Abschließend stapelt Anton Tarbeev, auf einem Einrad fahrend, empor geworfene Diabolos zu einem hohen Turm auf seinem Kopf.
Gleichfalls im Saisonprogramm waren Nandor Varadi und seine Partnerin Viviane zu erleben. Jongleur Nandor Varadi zeigt variantenreiche Routinen mit Keulen, Bällen und Ringen. Gekonnt werden die verschiedenen Requisiten manipuliert. Mit der spektakulären Jonglage von fünf lodernden Fackeln findet der Auftritt seinen gelungenen Höhepunkt.
Viviane arbeitet einen romantisch inspirierten Act am Luftring. Anmutig bietet die charmante Artistin ihr Können in weiten Flügen dar.

Von den vielseitigen Darbietungen der Familie Bouglione sind derzeit nur zwei im Festival-Programm zu erleben.
Anouschka Bouglione präsentiert in mitreißender Weise ihren Hula Hoop Act. Sicher und souverän lässt sie die Reifen um ihren Körper kreisen und schließlich rotieren derer mehr als zwanzig um ihre Hüften.
Ihr Bruder Nicolas Bouglione steht gemeinsam mit seiner Partnerin Ofelia Nistorov im Zentrum einer facettenreichen Laser-Show . Geschickt werden die Strahlen in variantenreicher Weise manipuliert und immer wieder ändern sich Farben und Muster des Lichtes.
Die Auguste Rony und Joanes und ihr seriöser Gegenspieler Pierre Paillé begeistern mit ihrem facettenreichen und pointierten Spiel. Perfekt verkörpern sie die gewählten Charaktere und bieten exzellente traditionelle Clownerie. In einer Variante des „verbotenen musizieren“ stimmen die Auguste „Jingle Bells“ an, doch „Monsieur Loyal“ ist anderer Meinung. Das viele Köche den Brei verderben zeigt sich einmal mehr in einem weiteren Auftritt. Schließlich bietet das Trio ein straff inszeniertes „Bienchen“, dessen Pointen in flottem Ablauf erfolgen und beim Publikum gut ankommen.

„Fliegende Menschen“ - nach der Pause füllen die „Flying Wulber“die weite Kuppel des Chapiteau. Zwei Damen und drei Herren bieten eine großes Spektakel. Vielerlei Tricks des Genres gehören zum sicher vorgetragenen Repertoire. Die rasante Darbietung hat in einem exzellent ausgeführtem dreifachen Salto und der abschließender Passage ihre Höhepunkte.
Ein ganz besonderes Highlight erleben wir mit dem exzellenten Seiltanz von Maud Flores-Gruss. Mit großer Ausstrahlung zieht die sympathische Künstlerin die Zuschauer in ihren Bann und reiht in einem harmonischen Ablauf Schrittfolgen, Balance-Figuren und Sprünge aneinander. Mit enormer Sicherheit, ja geradezu spielerisch wirkend arbeitet sie ihre Trickfolge. Den zweiten Teil des Auftritts bestreitet sie im Spitzentanz und nach einigen Aktionen auf dem gespannten Seil wird dieses, während die Artistin darauf verharrt zu einem Schlappseil gewandelt. Auch auf diesem zeigt Maud Flores-Gruss ihre Kunst auf den Zehenspitzen. Chapeau.
Den Kolev-Sisters ist es vorbehalten mit ihrer Hand-auf-Hand Darbietung den Schlusspunkt der Nummernfolge zu setzen. Die beiden zierlichen jungen Frauen, Michelle und Nicole, präsentieren ihre ansprechende Trickfolge souverän. Ihr Schlusstrick - zu dem Michelle bäuchlings auf dem Tisch liegend ihre, im Handstand auf ihren Füßen stehende, Schwester Nicole langsam absenkt und wieder emporhebt - reißt das Publikum förmlich von den Sitzen.
Im flott inszenierten Finale, mit Einzelvorhängen für alle Mitwirkenden, verabschiedet sich das Ensemble vom äußerst zufriedenen Publikum.
Der Cirque Alexandre Bouglione, der größte in Belgien reisende Circus, bietet stets ein sehenswertes Programm, das in einem erstklassigen Ambiente mit Charme und französischem Esprit präsentiert wird.