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Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCUS CARL ALTHOFF
Wiesbaden, 15. April 2017

www.circus-carl-althoff.de
„Circus Carl Althoff“ - ein einstmals glanzvoller Circusname, der die Herzen von Freunden großer, tierreicher Circusse höher schlagen ließ, erlebt in dieser Saison ein Comeback. Direktor Stefan Frank und seine Familie führen nun den wohlklingenden Namen in Lizenz.
Zu Ostern gastierte man in Wiesbaden Freudenberg und bot somit der Bevölkerung eine circensische Alternative zum „Zirkus des Horrors“, der nur fünf Kilometer entfernt auf dem Festplatz Gibber Kerb aufgebaut hatte.

Die prächtige Fassade lädt zum Besuch des Circus ein. Zwei Sattelauflieger, die großflächig angelegte Circusmotive zeigen und auf deren Dächern lange Spannbänder in meterhohen Lettern den Aufdruck „Circus Show“ tragen, flankieren den neuen Eingangscontainer, der auch die Kassenschalter beherbergt. Seine weit ausladenden Klappen sind mit Planen, die das neue Plakatmotiv zeigen, bedeckt. Eine Laufschrift über dem Eingang bildet den Circusnamen ab und gibt die Kassenöffnungszeiten bekannt.
Das Vier-Masten-Chapiteau erstrahlt in einem sehr edlen weiß-hellgrauen Streifendesign.
Auf ein Vorzelt muss auf dem recht engen Gelände verzichtet werden. Die zahlreichen Fahrzeuge des Circus sind dicht um die Zeltanlagen gruppiert und im rückwärtigen Bereich hat der große Raubtierwagen, mit angegliedertem strukturiertem Außengehege, der fünf Löwen seinen Platz.
Das geräumige Stallzelt, seine Kuppel wird von einer mittig positionierten hydraulisch hochfahrbaren Scherengitter-Konstruktion getragen, fand mitsamt den großzügigen Außengehegen und Paddocks und einigen Transportfahrzeugen Platz auf einer ca. einhundert Meter entfernten Wiese.
Durch verglaste weiße Türen treten die Besucher ins Spielzelt ein. Hier nimmt der große elegante Artisteneingang aus rotem, mit goldenen Bordüren verziertem Samt den Blick gefangen. In seiner Mitte bietet er der mitreißend aufspielenden Band des Hauses Platz. Musikauswahl und Programmregie liegen ganz in den Händen von Juniorchef Martino Frank. Elegante weiße Logen mit rot-goldenem Dekor und ein geräumiges Bankgradin stehen bereit, zahlreiche Besucher aufzunehmen.
Ein Container, dessen Frontklappe elektrisch verfahren wird, nimmt nun die wohlsortierte Circusrestauration auf und hat seinen Platz gleichfalls im Zelt.

Die diesjährige Produktion steht unter dem Motto „Mickey and Friends“ und Junior Marcel Frank begrüßt das zahlreich erschienene Publikum.
Direktor Stefan Frank eröffnet die Spielfolge mit einer erstklassigen Pferdedressur. Vier dekorative Pintoschecken laufen unter seiner schwungvollen Peitschenführung vielseitige Figuren. Gekonnt dirigiert der erfahrene Dresseur zu den verschiedenen Abläufen. Ein eindrucksvoller vierfacher Kruppensteiger bildet den Höhepunkt der Darbietung.
Zwei weitere Dressur-Darbietungen aus dem reichen Repertoire des Hauses sehen Marcel Frank als Vorführer. Er präsentiert zunächst drei Ziegen in einem temperamentvollen Auftritt. Schaukeln und verschiedene Sprünge sowie Steiger werden gekonnt ausgeführt und mit der Balance über eine Planke, die auf dem Rücken zweier Pferde lagert, beschließt den Auftritt.
Im zweiten Programmteil sehen wir ihn mit drei quirligen Hunden in der Manege. Eifrig zeigen diese ihr erlerntes Können. Sprunggewaltig werden u.a. mehrere Stühle überwunden und schließlich dient ein geduldig dahin trabender Esel als Reittier.

Für viele Kinder ist der Höhepunkt der Show erreicht, wenn „Elsa, die Eiskönigin“ in Begleitung des Schneemannes „Olaf“ in die Manege kommt. Leslie Frankordi verkörpert die „Elsa“ und präsentiert einen Sechser-Zug Shetland-Ponys. Deren Geschirre funkeln im Lichterschein zahlreicher LED-Schnüre und „Olaf“-Figuren reiten auf ihren Rücken. Munter trippeln die Minipferdchen ihre Figuren in den Sand und zur großen Freude der kleinen Besucher trickst ein Pony die Vorführerin bei den Barrieresprüngen aus.

Im zweiten Programmteil arbeitet Miss Lesley ihre elegant dargebotene Kür am Luftring. Kraftvoll ausgeführte Haltetricks und weiter, raumgreifende Flüge wechseln einander ab und ein fulminanter Nackenwirbel bildet den gelungenen Abschluss des mitreißenden Auftritts.
Clown Guiseppe Zalotti verbreitet in einigen Reprisen Frohsinn. Er „reinigt“ mit einem bunten Staubwedel die Zelteinrichtung und lässt auch Brillen und Frisuren der Besucher nicht außer Acht. Er fängt einen von den Besuchern geworfenen Ball in einem Netz - die Kinder treffen ins Schwarze, die Erwachsenen nicht. Die „Reise nach Jerusalem“ wird zum turbulenten Vergnügen und schließlich verführt ein dickes, bis in die Manege reichendes Tau, dass unter der Gardine hervor schaut dazu, kräftig daran zu ziehen. Doch erst mit Hilfe eines Kindes gelingt es Wirkung zu erzielen und es ertönt ein wildes Gebrüll. Ein nochmaliges ziehen bringt ein riesiges Halsband zum Vorschein und schließlich, nachdem die beiden Helden sich in Sicherheit gebracht haben erscheint eine „wilde Bestie“ - ein kleiner Hund im Löwenkostüm.

Mit „Arielle“, der kleinen Meerjungfrau erobert eine weitere Disney-Figur die Manege. Miss Ashley präsentiert in dieser Rolle ihren Kautschuk Act. Zur passenden Begleitmusik steigt sie aus einer Muschel und beweist ihre Biegsamkeit und Balancegefühl. In sehr guter Ausführung folgen eine umfassende Auswahl der Tricks des Genres aufeinander und zum Höhepunkt des Auftritts nimmt Ashley, sich rückwärts biegend, eine Blume mit dem Mund von ihrem Piedestal auf.
In einem großen Schaubild präsentiert Disneys „Alladin“ - Marcel Frank - vor der Pause seine Handstandequilibristik. Die Karawane erreicht den Basar und eine Haremsdame kommt aus einem Teppich zum Vorschein. Die ersten Handstände erfolgen auf zwei Stühlen, die auf einem Piedestal stehen und allmählich arbeitet sich der Artist mit erstklassig ausgeführten Handständen und Waagen in die Höhe. Schließlich türmen sich fünf Stühle zu einem labilen Turm auf dem ein Handstand in der Kuppel erfolgt. Nachdem die Pyramide wieder abgebaut und eine Handstandwaage auf der Lehne eines nur auf drei Beinen aufstehenden Stuhls perfekt ausgeführt wurde, nehmen „Alladin“ und seine Haremsdame auf dem „Fliegenden Teppich“, der den Piedestal bedeckte, Platz und schweben davon.

Der zweite Programmteil beging mit der Raubtierdressur von Francisco Hernadez vom italienischen Circo Darix Togni. Im Outfit und Gehabe eines römischen Tribun präsentiert er zu dramatisch klingenden Musiken fünf männliche Löwen. Nach der Pyramide aller Tiere folgt eine größere Anzahl Sprünge ehe die Tiere gemeinsam in der Manegenmitte abliegen. Mit einem harmonisch ausgeführten Fächerlauf verabschieden sich die Wüstenkönige von ihrem Publikum.

Direktor Stefan Frank, alias „Ali ben Hassani“, präsentiert die Kamelkarawane des Circus Carl Althoff. Die vier prächtigen, mit rot-weißen Schabracken geschmückten Trampeltiere bieten in fehlerfreiem Ablauf variantenreiche Lauffiguren. Ein Pony, das Achten um zwei auf Tonneaus stehende Kamele läuft, ist gleichfalls in die Darbietung integriert.
Die Finalnummer musste in der besuchten Vorstellung auf Grund technischen Probleme am Trapezapparat entfallen.
Ein effektvolles Feuerwerk gibt dem Finale den stimmigen Rahmen und gemeinsam verabschieden sich die Mitwirkenden vom restlos begeisterten Publikum. Überrascht stellen die Besucher fest, dass es nur weniger, engagiert auftretender Künstler im roten Ring bedurfte, ein gutes und temperamentvoll präsentiertes zweistündiges traditionelles Circusprogramm zu initiieren.