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Text und Fotos Friedrich Klawiter
Frank Bergmann
Freiburg, 27. August 2011
„Gratis? Wirklich alles? Essen und trinken?“ Clown Francesco kann es gar nicht glauben, dass die Einladung seines Direktors Louis Knie jun. ihm solches Glück bescheren soll. Clown Francesco alias Frank Bergmann, ein neuer strahlender Stern am Artistenhimmel, ist einer der Akteure beim Wasserentree in der Aquamanege beim Circus Louis Knie.
Geboren wurde Frank Bergmann vor achtunddreißig Jahren in Fulda.Seine Wiege stand nicht im Circus, „aber nicht weit davon entfernt“, erzählt er lachend. Verrückt nach Circus sei er schon immer, von ganz klein auf, gewesen. So nimmt es denn auch nicht Wunder, dass er seine Freizeit, so oft es möglich war, im Circus verbrachte.
Seine Ferien verbrachte er regelmäßig im Circus Barum. Lebhaft erinnert er sich an gemeinsame Tage mit Sarah Houcke, mit der er sich einen Wagen teilte.


Als über den Weg ins Erwerbsleben entschieden werden musste, war schnell klar, dass nur ein „ordentlicher Beruf“ in Frage kam. Die Deutsche Bundespost in seiner Heimatstadt wurde zum ersten Arbeitgeber.
Außer dem Circus galt und gilt das Interesse von Frank Bergmann den Reptilien. Dieses Hobby wurde mit einer solcher Intensität und Elan ausgeübt, das eines Tages sogar eine eigene Reptilienhandlung eröffnet wurde. Sein Dienst in einem Marburger Postamt beschränkte sich auf die Vormittagsstunden und anschließend wurden die Reptilienliebhaber und Besitzer mit allem Notwendigem für ihr exotisches Hobby versorgt.

Das Jahr 1997 brachte die große Veränderung im Leben von Frank Bergmann. Der Job wurde gekündigt, das Geschäft aufgegeben und mit dem Circus Universal Renz ging es auf Tournee. Der Bürowagen war nun das Betätigungsfeld von Bergmann. Vielfältig sind die Anforderungen an den Mitarbeiter im Circusbüro. Arbeitspapiere für ausländischer Mitarbeiter, Kontakt mit den Ordnungsämter, Pressekontakte und anderes wurden zur täglichen Routine. Darüber hinaus gehörte auch der Kassendienst zu den Aufgaben von Frank Bergmann.
Rund neun Jahre reiste er mit dem Circus Universal Renz und im Laufe der Zeit stand er auch einige Male als „Ersatzaugust“ in der Renz-Manege, „wenn unser Clown verhindert war“. Wir erinnern uns z. B. an eine Reprise in der er eine imaginäre Scheibe zwischen Manege und Loge „reinigte“ und den Besuchern der ersten Reihe eine Abkühlung zukommen ließ.

2006 trennten sich die Wege, für einige Zeit sollte es wieder ein „privates Leben“ sein und Frank Bergmann zog nach Marburg. Kurz darauf rief ihn Sascha Melnjak an, um ihn zu einem gemeinsamen Trip nach Italien zu Moira Orfei einzuladen. Frank Bergmann sagte erfreut zu und kurz darauf startete die Tour. Einen Zwischenstopp, da günstig am Weg gelegen, legte man beim Circus Louis Knie jun. ein.
Im Lauf der Unterhaltung kam, was kommen musste, Frank Bergmann wurde überzeugt dass sein Platz im Circus sei und eine Woche später, nachdem flott privates geregelt wurde, war er wieder auf der Reise. In Baden bei Wien nahm Frank Bergmann seinen Platz im Büro vom Circus Louis Knie, damals noch zusammen mit Elfriede Lübben, ein.

„Louis hat mich gezwungen Clown zu werden“ beschreibt Frank Bergmann den „richtigen“ Beginn seiner Manegenkarriere. Zunächst wollte er absolut nicht ins Rampenlicht, doch sein Chef überzeugte ihn schließlich, dass sein Platz im Leben nicht ausschließlich hinter einem Schreibtisch sei. So debütierte er als Clown Francesco in der Saison 2007, als „Aushilfsaugust“ - wie er selbst es bezeichnet, im Zusammenspiel mit Massimo Luftman.
Im Jahr 2009 arbeitete er im Freizeitpark von Jochen Fleischmann in Memleben, auf Grund einer Operation und anschließender Reha schien das Leben an einem festen Ort vorteilhafter. Ende 2009 ging es dann wieder zum Circus zurück.
Im Laufe der Zeit bei Louis Knie wurde Frank Bergmann zu einem begeisterten, bekennenden Österreich-Fan. „Das Land ist schön, die Leute freundlich, man kann dort gut leben“. Die Entfernungen zwischen den einzelnen Gastspielstädten sind überschaubar und auf der jährlichen Tour trifft man immer wieder auf „alte Bekannte“. Das Wildtierverbot sei kein Problem mehr, „die Leute haben sich daran gewöhnt, dass es bestimmte Tiere nicht mehr im Circus gibt, sie erwarten nichts mehr, was wir nicht bieten können“. So fallen z. B. auch Schlangen und alle anderen Reptilien unter diese Bestimmungen.

Gerne hätte Frank Bergmann die bekannte Tierillusion-Darbietung von Evgeni Shmarlowskis übernommen, doch letztlich führten verschiedene Auffassungen dazu, dass keine Einigung erzielt werden konnte. In seinem Auftritt als Comedy-Magier erinnern einige Tricks an sein Vorbild.

Während des normalen Tourneebetrieb ist Frank Bergmann nicht nur „der
Clown“. Darüber hinaus ist er „die große Reklame“, d. h. verantwortlich für aufstellen und natürlich auch einsammeln der großen Plakattafeln. Gleichermaßen obliegt ihm die Medienpräsenz des Circus Knie, der Auftritt in der örtlichen Presse und bei Radiosenders, zu gestalten.

Zur Zeit, auf der Tournee der Aquamanege, entfällt die Öffentlichkeitsarbeit, beschränkt sich sein Arbeitsalltag auf die beiden Auftritte in der Manege. Zusammen mit Ilona und Louis Knie sowie Jan Navratil spielt er das Wasserentree. In seinem Entree reguliert er den Wasserstand in der Manege und ist darüber hinaus ein Magier, der mit allerlei Verwicklungen Kaninchen erscheinen und verschwinden lässt.
Seine Zukunft sieht Frank Bergmann auf jeden Fall im Circus. Ihm gefällt dieses Leben „auf der Reise“ mit all seinen Herausforderungen und Widrigkeiten. Gerne beweist er sich jeden Tag aufs Neue vor dem Publikum. „Der Circus“ als Unterhaltungsform hat Bestand, ist er überzeugt. Die Frage, ob er sich vorstellen könne einmal mit einem eigenen Unternehmen zu reisen, beantwortet er mit einem Lachen „Ja, ein schöner Traum. Sollte er sich je erfüllen, dann am liebsten im schönen Österreich“.