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Text und Fotos Friedrich Klawiter
HÖHNER ROCKIN RONCALLI SHOW
Leverkusen, 29. Mai 2019


https://hoehner-rockin-roncalli.de
Seit neunzehn Jahren heißt es „Manege frei zur Höhner Rockin' Roncalli Show“, wenn „Die Höhner“ auf einer kurzen Circus-Tournee ihre künstlerische Kooperation mit dem Circus Roncalli präsentieren.
Im Leverkusener Stadtteil Opladen, der ersten Station in diesem Jahr, war der Circus auf einer Rasenfläche auf der Schusterinsel zu Gast.
Roncallis erster Kassenwagen, nostalgischer Zierzaun, Vorzelt und eines der typischen standardisierten Roncalli-Chapiteaus leuchten in der Abendsonne, vermitteln romantisches Circusflair.
Zwei naturholzfarbene Oberlichtwagen sind im vorderen Teil des Geländes abgestellt. Eine handvoll Schiebeplanen-Auflieger mit großem Roncalli-Schriftzug sind neben einer Anzahl Container, die als Garderoben, Kantine und Sanitärräume dienen, hinter dem Spielzelt zu finden. Wohnwagen sind kaum vorhanden, da die Mitarbeiter und Artisten zumeist in Hotels logieren.
Im Innern des Chapiteau herrscht die für Roncalli typische Atmosphäre. Elegante, reich verzierte Logen, rotes Bankgradin, makellos hochglänzend lackierte Sturmstangen, der historische Artisteneingang und an Stelle der Manege eine erhöhte Bühne auf der im hinteren Bereich das Equipment der Band aufgebaut ist.

Funambola - Capriolen des Lebens“ lautet auch in dieser Spielzeit das Motto der Show und laut Pressetext ist Funambola das italienische Wort für den Seiltanz und die Seiltänzerin. In „Funambola“ verbinden sich artistische Höchstleistungen mit der Musik der Höhner. „Capriolen des Lebens“ widmet sich musikalisch-artistisch den großen und kleinen Gegensätzen, die unser Leben im Gleichgewicht halten.

In bewährter Weise treten die Höhner, in deren Reihen wir zwei neue Gesichter - Gitarre und Schlagzeug - ausmachen, als Begleitband ihrer Artistenkollegen auf, wobei die Band dieses Mal öfter im Mittelpunkt steht als in den letzten Jahren.
Kaum erklingen die ersten Akkorde des Auftaktliedes „Willkommen in unserer Show liebe Leute“, mit dem sich Frontmann Henning Krautmacher  singend seinen Weg vom Haupteingang auf die Bühne bahnt, kocht die Stimmung hoch und die Höhner Fans beginnen mit ihrer „Karnevalsparty“.

Nach dem kurzen Opening, dass das komplette Artisten-Ensemble tanzend auf der Bühne vereint, arbeitet Jose Henry Caycedo auf dem Elastikseil. Der südamerikanische Artist, im Habit eines Elfen, bietet eine Reihe hoher Sprünge und Saltos auf dem schwingenden Grund. Darüber hinaus ist er im Verlauf der Show immer wieder in die Auftritte seiner Kollegen eingebunden.
Die musikalischen Soli der Höhner nehmen in diesem Jahr etwas breiteren Raum ein und zeigen neue Facetten breitgefächerten Repertoire der Musiker.
Exzentriker „Codini“ schlenkert seine Gliedmaßen, über die Bühne tanzend, dermaßen umher, das es scheint er habe keine Kontrolle über seinen Körper. In mehreren Auftritten demonstriert er seine enorme Beweglichkeit. Zudem performt er als „Clown Antonio“ zum gleichnamigen Song.
Marina Sakhokiia präsentiert ihre Handstandequilibristik mit einer poetisch-romantischen Attitüde. Auf einem verschnörkelten, sich drehenden Piedestal arbeitet die sehr zierlich junge Frau eine umfassende Abfolge der gängigen Handstandfiguren.
Jongleurin Mila Roujilo präsentiert ihr Können mit sinnlicher Ausstrahlung. Tänzerisch erfolgen die unterschiedlicher Routinen mit Tennisbällen. Die Anzahl der manipulierten Bälle nimmt stetig zu und schließlich sind es deren acht, die die charmante Künstlerin in der Luft hält.

Bert und Fred verblüffen und begeistern mit ihren außergewöhnlichen Auftritten. Fred, alias Frederique, stöckelt als taffe Lady im „kleinen Schwarzen“ mit einem klassischen roten „Monsieur Loyal“ Frack darüber auf die Bühne und bringt, für eine Circus Show, ungewöhnliche Requisiten - ein großes Messer, einen 5 Kg Hammer und Treppenleiter, eine Peitsche - mit. Mit  unmissverständlicher Geste lässt sie die Band verstummen und ein herrisches „Bert“ bringt den Partner auf die Szene. Das Messer saust aus der Kuppel auf eine kleine Zielscheibe zwischen den Oberschenkeln des auf der Bühne Liegenden. Der schwere Hammer pendelt weit mit viel Schwung an seiner Aufhängung durch den Raum und fegt einen Apfel von Berts Kopf. Die Peitsche durchtrennt schließlich eine von Bert gehaltene Salatgurke mit einem einzigen Schlag.
Im neu arrangierten letzten Auftritt arbeitet das Paar nun an einem Washington-Trapez eine ansprechende Trickfolge. Schließlich lässt Fred Dartpfeile hoch aus der Kuppel weit durch den Raum auf eine Scheibe, die Bert auf dem Kopf balanciert, fliegen.

Victor Minasov mit seiner Exzentrik in einem großen Ballon und der Quick Change Act zusammen mit Ehefrau Elena waren schon in vielen Roncalli Produktionen zu erleben. Die beiden furios vorgetragenen Acts nehmen die Besucher immer wieder gefangen und lassen das Publikum begeistert mitgehen.

Einen exzellenten Akrobatik Melange Act arbeiten die „Jambo Brothers“ im Blues Brothers Stil. Die fünf kenianischen Akrobaten bauen zunächst mit ihren Körpern die unterschiedlichsten Pyramiden auf. Mit fröhlicher Ausstrahlung wird im zweiten Teil des Auftritts Seil gesprungen. In hohem Tempo erfolgen die  vielfältigen Figuren, wie Saltos, Pirouetten, Sprünge im Handstand und vieles andere.
Ein oranger „Seestern“ zappelt im fahlblauen Bühnennebel, dann befreit sich die Artistin aus dem Kostüm und windet sich auf der Bühne vorwärts. Anne Herkat, die junge Absolventin der Artistenschule Berlin stammt aus Herne, mischt ihre Evolutionen am Pole mit vielen mystisch wirkenden Aktionen auf dem Bühnenboden.
Die bestens bekannte Hand-auf-Hand Darbietung der ukrainischen Truppe „Crazy Flight bietet erstklassig ausgeführte und anspruchsvolle Tricks.

Alexandre Lane lässt ein Cyr-Rad um sich rotieren, dann springt er hinein und wirbelt, vielfältige Figuren zeichnend über die Bühne. Immer schneller wird der Ablauf und dynamischer werden Aktionen, dabei hält Lane scheinbar mit leichtigkeit die Balance und brilliert mit seinem Können.
Gemeinsam mit Partnerin Emilie sind sie das Duo „Chilly & Fly“. Am „Standing Cradle“, einer Art Fangstuhl begeistern sie mit einer bravourösen Darbietung, die im vorletzten Jahr in Monte-Carlo mit einem Silbernen Clown ausgezeichnet wurde. Immer wieder schwingt Alexandre, in einiger Höhe auf zwei kleinen Plattformen stehend seine Partnerin zwischen seinen Beinen empor und lässt sie frei und ungesichert zu Saltos und Pirouetten fliegen.
Das große Finale wird zur gemeinsamen Feier von Publikum und Akteuren.
Der Ablauf folgt dem seit Jahren bewährten Muster - kleine Zugaben der Artisten, abklatschen mit den Musikern, der Dank an Requisiteure und Techniker, der Walzer mit Besuchern - und Standing Ovations sind unausweichlich. Die Band lässt sich nicht lange bitten und gibt bereitwillig eine Zugabe, zu der auch die Artisten noch einmal vor die Gardine kommen.