Text und Fotos Friedrich Klawiter
MONIKA SPERLICH-KASELOWSKI
Koblenz, 23. März 2018

„Ein Leben ohne Circus? Das kann ich mir nicht vorstellen“ - ein strahlendes Lächeln, blitzende Augen und die gesamte Körpersprache verleihen der Aussage Nachdruck und untermauern, wie sehr Monika Sperlich-Kaselowsky mit dem Circus verbunden ist und für das Familienunternehmen lebt.
Sie wurde 1990 im Circus geboren und wuchs im Circus Romanza, dem ersten eigenen Unternehmen ihrer Eltern (Rosemarieund Joachim Sperlich), die beide aus renommierten Circusfamilie kommen, auf.
Gemeinsam mit den beiden jüngeren Brüdern, Maik und René war sie selbstverständlich von klein auf in das Circusleben integriert und eine artistische Laufbahn war ihr quasi in die Wiege gelegt. Mit kindgerechten, fetzigen Hula Hoop Auftritt hatte Monika Sperlich im Altervon fünf Jahren ihr Manegendebut. Natürlich lernt sie auch den mitunter harten Schulalltag der Circuskinder mit oftmaligen Schulwechseln und stetigem eingewöhnen in neue Klassen kennen.

Monika Sperlich war bis heute in de verschiedensten Disziplinen war in der Manege zu erleben. Ihr Favorit war stets die Hula Hoop Darbietung, die sie im Lauf der Jahre kontinuierlich weiterentwickelt und immer wieder neu interpretiert hat. Ihr zweites artistisches Zuhause hat sie auf dem gespannten Silberdraht gefunden. Diese Darbietung wurde von ihr wunderbar zuletzt vor einigen Jahren im Karlsruher Weihnachtscircus in einer aufwändig inszenierten Nummer mit Feuereffekten und Balletttänzerinnen im Hintergrund gearbeitet. „Das Drahtseil war nie meine Lieblingsdisziplin“ lässt uns die sympathische junge Frau wissen, „doch zusammen mit den Mädels hat es Spaß gemacht“. Erlernt hat sie Seil laufen von beiden Elternteilen. „Mama hat mehr traditionell, als Ballerina gearbeitet, doch ich wollte schneller laufen, eher sportlich und springen. Das musste mir dann Papa zeigen“.
Aber auch die arbeit mit Tieren ist Monika nicht fremd. Im Zirkus Charles Knie hatte sie sehr viel Freude an der Präsentation der Seelöwen. „Mit Tieren zu arbeiten war eine ganz neue Erfahrung für mich. Es war sehr schön, wenngleich die beiden es einem nicht immer leicht gemacht haben und ganz besonders die Steffi konnte sehr stur sein“.
Auf die Frage, welchen Traum sich die junge Frau in der Manege gerne erfüllen möchte, muss sie nicht überlegen: „Einmal einen 6er-Zug Friesen vorführen, dass wäre toll“.

In sehr guter Erinnerung blieb ihr auch die Zeit in einem französischen Freizeitpark. Dort war die Familie Sperlich nach dem Ende der Reisetätigkeit des Circus Romanza für zwei Jahre engagiert. „Das war eine sehr schöne Zeit“, erzählt Monika Sperlich, „es gab täglich zwei Shows und man hatte viel freie Zeit. Man hatte ja nur seine Auftritte zu absolvieren und musste sich sonst um nichts kümmern“. Doch mit der Zeit vermisst man die Reise, den Auf- und Abbau, Reklame machen - einfach in eine andere Umgebung kommen. Unmittelbar nach dem Saisonende des Parks im Herbst fährt die Familie zum Zirkus Charles Knie, mit dem man in den folgenden fünf Jahren auf Tour war.
Mit dem Beginn der Weihnachtsproduktionen der Familie Sperlich wuchs Monika langsam in eine neue Aufgabe hinein. Beim ersten Karlsruher Weihnachtscircus 2009 war sie nicht nur im Programm zu erleben, sondern auch an der Auswahl der Künstler beteiligt und führte zusammen mit Massimiliano Sblattero Regie. Dieses Aufgabengebiet wuchs von Jahr zu Jahr und nun liegt die Verantwortung für Programm und Regie der Veranstaltungsreihe in ihren Händen und hat seit einigen Jahren, wie sie ausdrücklich betont, in Giovanni Biasini einen idealen Mitarbeiter gefunden.

Wie man dazu kam, einen Horror Circus ins Leben zu rufen möchten wir wissen. Das sei eine logische Entwicklung gewesen, gibt uns Monika Sperlich bereitwillig Auskunft. Nur einen Event im Jahr zu veranstalten „war uns auf Dauer zu wenig, zu langweilig“. Es sollte noch eine weitere Veranstaltung hinzukommen. „Da wir mit dem Weihnachtscircus schon einen Themencircus betreiben, sollte ein zweites, gegensätzliches Thema besetzt werden und so kamen wir auf Halloween Circus. Aus verschiedenen Gründen funktionierte unser Vorhaben zeitlich nicht. So sind wir dann im Frühling 2013 mit unserem Konzept und anderem Namen als Zirkus des Horrors gestartet“. Das dieses für Deutschland neue Konzept eines Circus funktionieren werde, davon sei man von Anbeginn überzeugt gewesen. „In Spanien gab es zu diesem Zeitpunkt bereits eine ähnliche, erfolgreiche Show, so dass man schon einige Anhaltspunkte hatte“.
Die Idee und Initiative Horror Circus zu machen sei schon von der jungen Sperlich Generation ausgegangen, gibt Monika lächeln zu, „den Papa mussten wir schon auf den Geschmack bringen. Da war ein bisschen Überzeugungsarbeit von Nöten“. Zu Beginn plante man das Projekt Horror Circus ein Jahr lang zu betreiben „und nun haben wir schon fünf Saisons absolviert und sind nun mit einer komplett neuen Produktion gestartet“.

Die Frage, ob ihr als junger Mensch der moderne (Horror)Circus besser gefalle als die traditionelle Weihnachtsproduktion, wird mit einem klaren und entschiedenen „nein“ beantwortet. „Mir gefallen beide Stile sehr gut, beides hat seinen Reiz und ich bin froh, dass wir beides machen. Die Stile sind so unterschiedlich, das kann man nicht miteinander vergleichen“. Monika Sperlich nennt als Vergleich Eltern, die mehrere und recht unterschiedliche Kinder haben und trotzdem alle gleich lieben.
Zum traditionellen Circus gehören für sie absolut Tiere, auch und unbedingt „Wildtiere“ dazu. „Das sieht man ja bei unseren Programmen in Karlsruhe ganz klar, dass wir uns zum Tiercircus bekennen. Auch traditionelle Clownerie ist wichtig und in den letzten Jahren sind wir wieder stärker in diese Richtung gegangen“. Die Auftritte im Horror Circus seien gänzlich anders, „da stehen Action und Spaß im Vordergrund, da ist man freier sich so zu geben wie man sich gerade fühlt, kann auch mal die Sau rauslassen und einmal aus sich herausgehen. Der traditionelle Circus verlangt einen anderen Auftritt. Man ist im klassischen Kostüm, muss mehr auf Konventionen achten und es geht stilvoller zu“.
Angst um die Zukunft des Circus hat Monika Sperlich nicht. „Sicherlich wandelt sich der Circus, so wie alles auf der Welt. Die Menschen lieben den traditionellen Circus und die modernen Artisten-Show. Wir sehen die Reaktionen hier auf unsere Horror-Show und haben das Feetback an Weihnachten. Im traditionellen Circus wollen die Besucher Tiere sehen und ich befürchte nicht, das es kurzfristig zu einem Tierverbot im Circus kommen wird“.

Dankbar ist Monika Sperlich ihren Eltern für das große Vertrauen, das diese ihren Kindern entgegen bringen. „Sie haben uns schon in sehr jungen Jahren machen lassen, haben sich unseren Wünschen und Plänen gegenüber stets offen gezeigt und uns Verantwortung übernehmen lassen“. Heute teilen sich die drei Geschwister die Verantwortung und Aufgabengebiete im Familienunternehmen. Monika führt Regie, stellt die Programme zusammen und übernimmt andere administrative Aufgaben. Ihre Brüder Maik und René sind für den technischen Teil - Auf-und Abbau, Transport und Material - zuständig und nehmen selbstverständlich auch ihre Auftritte in der Show wahr. „Jeder hat seinen Bereich der Verantwortlichkeit, wobei wir uns natürlich in der Familie abstimmen und grundsätzliche Entscheidungen mit einander abstimmen“. Inzwischen hat sich die Familie erweitert, da auch Monikas Ehemann - sie ist seit dem letzten Sommer mit Gino Kaselowsky verheiratet - und die Partnerinnen ihrer Brüder in den Circus integriert sind. „Wir sechs verstehen uns gut und wollen die Romanza Circusproduktion auf alle Fälle mit ihren drei Betriebsteilen - Karlsruher und Trierer Weihnachtscircus und Zirkus des Horrors - in der bestehenden Form führen und weiterentwickeln. Unsere Eltern sind nach wie vor die Direktion und haben das letzte Wort im Unternehmen, aber auch wenn sie sich eines - hoffentlich noch fernen Tages - einmal aus dem Geschäft zurückziehen, wollen wir den Circus in ihrem Sinne fortführen“.
Circus-online bedankt sich sehr für das offene, informative und vertrauensvolle Gespräch und wünscht, dass sich alle privaten und beruflichen Wünsche und Träume erfüllen.


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