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Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRQUE MULLER
Palavas les Flots, 25. Juli 2017

www.cirquemuller.com
Die Familie Muller machte mit ihrem Circus auf der Tournee durch die Urlaubsorte des südlichen Frankreich für vier Tage Station in Palavas les Flots. Die Kleinstadt liegt ca. zehn Kilometer südlich von Montpellier direkt am Mittelmeer.
Der Circus war auf einem Gelände am Rande der Bebauung direkt an einer Hauptverkehrsstraße aufgebaut.
Eine große Fassade ist mit verheißungsvollen großflächigen Motiven bemalt. Clowns, Löwen, Tiger, Zebras, Steigerpferde und ein riesiges Flusspferd blicken den zahlreichen Besuchern entgegen und über dem mittig integrierten Kassenabteil prangt der Circusname.
Ein mächtiges, rechteckiges Zwei-Masten-Chapiteau in gelb-rotem Streifendesign beherrscht das Gelände. Die lange Kuppel zwischen den beiden Masten wird von einem Metallbogen, den zahlreiche französische Flaggen schmücken überragt. Acht bis in Höhe der Kuppel aufragende Quaderpools verleihen dem hohen, imposanten Zeltbau seine charakteristische Silhouette.
Die, angesichts der hochsommerlichen Hitze offenen, mit schattenspendenden Zeltdächern versehenen, Gehege der Kamele, Lamas, Pferde, Zebras und Rinder nehmen die rechte Platzseite ein. Dort fand auch die umfangreiche Anlage, inklusive Bade-Pool, der Tiger Platz. Die Wagen und Außengehege der Löwen wurden hinter dem Zelt platziert. Dem Flusspferd steht ein großer Sattelauflieger mit angeschlossenem voluminösem Badebecken und Auslauf zur Verfügung.
Die zahlreichen Lkw, Sattelauflieger und Transportanhänger, sowie die riesigen Wohnwagen der Familie Muller sind komplett in leuchtendem gelb mit roten Absetzungen lackiert. Die Wagen sind durchweg in großen roten Lettern beschriftet und teils auch mit Circusmotiven versehen.
Drei Werbefahrzeuge mit Lautsprecheranlagen sind tagsüber unablässig auf den Straßen unterwegs und unterstützen die sehr umfangreiche - in weitem Radius um den Gastspielort - ausgebrachte Plakatwerbung.
Das im Innern rote, mit zahllosen weißen Sternen dekorierte Chapiteau bietet den Besuchern auf sechsreihigen Tribünen entlang des Rondells Platz. Die aus Riffelblech gefertigten Logen sind mit zwei Reihen Stühlen ausgestattet. Eine raumhohe gelbe Plane mit einer großen bogenförmigen Gardine aus goldenem Stoff bildet den Artisteneingang. Unmittelbar davor sind zwei hohe Portale aus Gittermasten platziert, die zahlreiche Beleuchtungskörper tragen.
Der üppig dekorierte Verkaufswagen der Circusrestauration hat seinen Platz gleichfalls im Spielzelt und steht den Besuchern während der kompletten Show zur Verfügung.
Der Container der Licht-und Tonregie hat ihren Platz zentral vor der Manege inmitten der Tribüne.

Der bayerische Defiliermarsch, zahlreiche Effekte der Lichtanlage und die Begrüßung des Publikums bestimmen das Opening der Show.
Diese beginnt, wie oftmals in traditionellen französischen Circussen, mit der Raubtier-Darbietung. Franck Muller präsentiert drei weibliche und einen männlichen Löwen. Pyramide, Balkenlauf und eine Reihe unterschiedlicher Sprungvarianten sind zusammen mit Hochsitzern am Platz die beherrschenden Elemente der souverän und versiert ablaufenden Darbietung.
Zum Käfigabbau erklingt „Rucki Zucki“ und zwei jugendliche Clowns bemühen sich mit einem großen Ball die Zuschauer zum mitspielen zu animieren.
Mademoiselle Angelina produziert sich am Luftring. In einer ruhig vorgetragenen Abfolge werden die unterschiedlichen, kraftvoll ausgeführten Tricks gekonnt gearbeitet. Vielerlei Variationen der gängigen Posen des Genres bilden die umfangreiche Trickfolge.

Temperamentvoll reitet Alexendre Muller Hohe Schule auf einem braunen Araberhengst zur Musik der „Gipsy Kings“ derweil die etwa fünfjährige Kimberley auf einem Tonneau in der Manegenmitte tanzt. Spanischer Tritt, Traversalen diagonal durch die Bahn und einige Levaden sind die Höhepunkte des Auftritts.
Gleich im Anschluss präsentiert Alexendre Muller die Cavalerie des Hauses. Zwei nachtschwarze Friesenhengste zeigen unter seiner versierten Peitschenführung ihre Lauffiguren. Die Darbietung litt ein wenig unter einem kurzen Stromausfall - der sich im Verlauf des Abends noch zwei Mal wiederholen sollte -  doch dank des umsichtigen Vorgehens des Vorführers - der beruhigend auf die Pferde einwirkte - und der gesamten Circus-Crew - die schnell sämtliche Notausgänge öffnete und so für ausreichend Helligkeit sorgte - konnte der Auftritt rasch in geordneten Bahnen fortgesetzt werden. Als Da Capo betätigen sich zwei Shetland-Ponys als Barrierenspringer.
Nachwuchs-Clown „Mosquito“ spendiert Popcorn und balanciert in einer weiteren Reprise eine Flasche auf einem Holzstab.
Edmond zeigt sich als geschickter Tempojongleur. Zunächst erfolgen die Routinen mit drei und vier Bälle. Ringe sind das nächste Requisit der Wahl. Die folgenden variantenreichen Muster werden mit Keulen gearbeitet. Je drei Macheten und Weinflaschen werden souverän manipuliert. Die abschließenden Routinen mit Fackeln, deren Flammen lodern wie wir es noch bei einem Jongleur sahen, bieten den effektvollen Höhepunkt des Auftritts.

Clown Rico möchte sich im großen Entrée als Friseur und Barbier beweisen. Flugs ist ein Freiwilliger aus dem Publikum rekrutiert und das muntere Treiben nimmt sehr zur Freude der zahlreichen Kinder seinen Lauf.
Kimberley Muller präsentiert in einer flotten Melange ihr bereits beachtliches Können. Mit Hilfestellung ihrer Mutter werden zunächst einige Handstandfiguren auf Handstäben ausgeführt, denen Kautschuktricks folgen. Im zweiten Teil des Auftritts lässt das kleine Mädchen bis zu fünf Hula Hoop Ringe kreisen, die es mit viel Schwung und ungeheuer temporeich in Bewegung hält.
Die Schlangen des Circus Muller präsentiert uns nach der Pause „Karah Khavak“. Der jugendliche Beherrscher der Reptilien habe sich zu Ehren seines großen Vorbildes, des weltbesten Reptilien-Dompteurs, diesen Künstlernamen gewählt lässt uns der Manegensprecher wissen und begleitet die Darbietung mit wortreichen Tiererklärungen. Immer größer und schwerer werden die präsentierten Tiere, bis schließlich eine Boa Konstriktor von beachtlicher Länge und Gewicht vorgezeigt wird.
Das „Duo Alvares“ ist mit einer Equilibristik-Darbietung zu erleben. Die Brüder, etwa sechzehn und dreizehn Jahre alt, beginnen ihre Nummer mit verschiedenen Handstandfiguren, die auf Handstäben ausgeführt werden. Den zweiten Teil des Auftritts gestalten mit Handständen auf diversen Stuhlformationen.

Alexendre Muller präsentiert die „Caravane exotique“ - den Exotenzug des Hauses. Nacheinander kommen Lamas, Rinder und Kamele in die Piste und zeigen ihr erlerntes Können.
Mademoiselle Angelinas „Magic Show“ bringt eine Reihe traditioneller Zaubertricks. Aus scheinbar leeren Röhren, Kuben und Kisten erscheinen Tücher, Blumen, Federboas, Tauben und Kanninchen. Tücher wandeln sich Blumen und Tauben und schließlich wird ein soeben herbei „gezauberter“ Hase in einen Hund verwandelt.
Noch einmal gehört die Manege Clown Rico. Auf seiner goldenen Trompete spielt er bestens bekannte Circusmelodien und zu einigen von den jugendlichen Augusten auf der Trommel begleitet.
Mit einem kurzen Finale, in dem auch die große Schar des noch jungen Circus-Nachwuchses in der Piste erscheint, verabschiedet sich die Familie Muller von ihrem zahlreichen und begeistert applaudierenden Publikum. Die Werbebotschaft der Plakate, das die Show eineinhalb Stunden dauere wurde weit mehr als erfüllt - stellen wir nun leicht erstaunt fest, dass die Vorstellung gute zwei Stunden gedauert. Bei der Verabschiedung weißt Alexendre Muller ausdrücklich darauf hin, dass die Vorführung von „Jumbo, dem riesigen und größten Flusspferd in einem Circus“ nun außerhalb des Zeltes, in seinem Gehege erfolge. Also strömen die Besucher aus dem Chapiteau und versammeln sich dicht gedrängt um das Freigehege des Tieres. Dieses kommt auf Kommando zu seinem Vorführer heran und verschlingt einen voluminösen Salatkopf auf einmal, nachdem es die imposanten Hauer im geöffneten Maul eindrucksvoll zur Show gestellt hat.
Der Cirque Muller ist ein großer, eindrucksvoller Familiencircus mit umfangreichem Tierbestand, der ein gutes traditionelles Programm auf unterhaltsame Weise in einem ansprechenden Rahmen präsentiert.