Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRQUE NICOLAS BOUGLIONE
Rocourt (Lüttich, 28. Februar 2026
www.nicolasbouglione.be


Bereits in seine fünfte Saison startete der Cirque Nicolas Bouglione Mitte Februar in Rocourt und in dieser Zeitspanne hat das junge Unternehmen eine überaus positive Entwicklung durchlaufen. Große Investitionen ins Material wurden vorgenommen und alljährlich mit einer völlig neuen und stärkeren Show das Publikum begeistert. Aktuell prägen großartige Akrobatik und pointierte Comedy diese charmante und elegante Show voller Esprit.
Nur rund sechs Wochen nach dem Weihnachtsgastspiel sind die prächtigen Zeltanlagen von Nicolas Bouglione wieder auf dem Parkplatz der großen Shopping Mall in Rocourt aufgebaut und erneut wird der Circus vom treuen Stammpublikum, das Weihnachtsgastspiel war am Premierentag bereits restlos ausverkauft, förmlich gestürmt.
Das neue, erstmals an Weihnachten eingesetzte, Vier-Masten Chapiteau ist auch dieses Mal die Spielstätte des Circus. Das sehr hohe Zelt, cremeweiß und rot gestreift, wird von einer spitzen runden Kuppel gekrönt und einem hohen Gitterbogen, an dem die Flaggen Belgiens lebhaft flattern, überragt. Ein optisch passendes Vorzelt und ein Zeltdach über der Kasse, einem liebevoll renovierten und aufwändig gestalteten ehemaligen Markt-Verkaufswagen Baujahr 1951, komplettieren das Arrangement.
Der vorhandene Raum reicht kaum aus, den schmucken Circus aufzunehmen. Äußerst eng aufgefahren stehen die zahlreichen Fahrzeuge dicht an dicht um die Zelte, so dass der liebevoll dekorierte Oberlichtwagen, das Vintage-Werbeauto, der typische italienische Salonwagen und die chromglänzende 50er Jahre Kenworth Zugmaschine ein wenig „versteckt“ zwischen den profanen Sattelzügen stehen.
Roter Teppich und rote Stoffbespannung an den Seiten verleihen dem Vorzelt viel Behaglichkeit. Der Verkaufswagen nimmt eine Schmalseite ein. Ein halbkreisförmiger Bartresen bildet den Zuckerwattestand und einige Stehtische strukturieren den Raum.
Das Chapiteau bietet im Innern den vertrauten Anblick. Die prächtigen rot-goldenen Logen, die üppigst mit plastischen Elefantenköpfen und Pantherfiguren dekoriert sind, und ein fünfreihiges Bankgradin stehen für die Besucher bereit. Ein raumhoher Artisteneingang aus schwerem rotem Samt schließt den hinteren Zeltbereich ab.
Die Licht-und Soundanlagen zeigen sich auf Höhe der Zeit und dank einer erstklassigen und kreativen Regie bilden die verschiedenen Acts eine flott ablaufende perfekte Show.
„Madame Loyal“, erneut konnte Celia Berthier-Caroli für diese im französischen Circus unverzichtbare Rolle gewonnen werden, begrüßt höchst charmant das Publikum. Eloquent stellt sie die auftretenden Artisten vor und bereichert mit ihrem exzellenten Live-Gesang die Show. Darüber hinaus übernimmt sie mit gekonntem Spiel den seriösen Part bei den Auftritten der Clowns.
Mit ihrem trickstarken Auftritt am Aerial Pole startet Diana Boiachin, sie ist nur beim Gastspiel in Rocourt im Programm, die Spielfolge. Viele anspruchsvolle und kräftezehrende Tricks erfolgen in erstklassiger Ausführung. Einzig ihre schwere und sehr getragen daherkommende Begleitmusik lässt das Publikum nur verhalten reagieren.
Gleich darauf sehen wir die Hula Hoop Darbietung von Julia Geleoti. Gekonnt und temperamentvoll beherrscht die junge Frau das Spiel mit den Reifen.
Im zweiten Programmteil präsentiert sie ihr Können an weißen Strapatentüchern. In einer harmonischen Abfolge reihen sich die verschiedenen Aktionen aneinander und rasante Abfaller bieten den notwendigen Nervenkitzel.
„Madame Loyal“ sucht einen geeigneten Mitspieler und rein zufällig laufen die Auguste „Charly“ und „Nico“ durch die Manege. Flugs werden sie dienstverpflichtet und „Charly“ muss auf einen Stuhl steigen, auf das Madame einen von ihm über den Kopf gehaltenen Ballon mittels ihres Revolvers zerplatzen lässt. In munterem Spiel mit allerlei Verwicklungen explodieren, sehr zur Freude der jüngeren Besucher, etliche Ballons ehe der Schuss gelingt und „Charly“ von einer großen Puderwolke umgeben ist.
In ihrer zweiten Szene verteilen die Clowns Glöckchen an vier Besucher, Celia Berthier unterhält mit Gesang ehe die beiden Auguste ein munteres Tänzchen wagen. Schließlich verblüffen die beiden Clowns ihr Publikum mit großer Magie, indem sie den Seidenschal einer Besucherin völlig unsichtbar auf magische Weise zwischen ihren Hosentaschen hin und her wandern lassen.
Das Duo Jarz, Ivano Jarz und seine Partnerin Ruth Polo, jongliert zunächst im abgedunkelten Zelt mit Ringen die im Schwarzlicht neongelb leuchten. Bald darauf sind Keulen die Requisiten ihrer Wahl, die in vielerlei Muster manipuliert werden. Beleuchtete Keulen zaubern effektvolle Lichtspuren in die dunkle Manege. Nun kommen Tennisbälle zum Einsatz, die Ivano Jarz in Köchern an seinem Gürtel fängt. Schließlich sind bis zu sechs Teller als Ufos zur gleichen Zeit in der Luft. Als Da Capo sehen wir eine kurze Kubusjonglage.
Die formidable Laser-Show von Ofelia Nistorov-Bouglione findet auf den bestens besetzten Rängen großen Anklang. Die bunten und abwechslungsreichen Lichtbilder, der von etlichen Stellen im Raum ausgesendeten Strahlen, zaubern eine mythisch-futuristische Stimmung, die nicht nur die jungen Zuschauer in ihren Bann ziehen.
Die hervorragende Handstand-Equilibristik des Duo Solys, eines der akrobatischen Highlights der Show, ist vor der Pause zu erleben. Als hervorstechende Besonderheit der exzellenten Darbietung ist die Partnerin, bis auf eine Ausnahme, in allen Aktionen als Porteur zu erleben.
Der zweite Teil der Show beginnt mit dem „Strong Man“ Act von Ives Tribertis. Er beginnt die Demonstration seiner Kraft indem er seine drei Partnerinnen auf einer Achse, die auf seinen Schultern ruht, wie auf einem Karussell umher wirbelt. Ein dickeres Flacheisen und ein stärkerer metallener Rundstab werden eindrucksvoll zu einem engen U gebogen. Einen mächtigen geschmiedeten Nagel zieht der junge Mann nur mit der Kraft seiner Zähne aus einer Holzbohle und kräftige Schläge mit einem Vorschlaghammer auf eine Metallplatte, sie ruht auf seiner Brust, steckt er mühelos weg. Schließlich zeigt er seine Fähigkeiten als Kettensprenger.
Einen spektakulären Luft-Act an Ketten arbeitet Lusesita Farrell, so der Künstlername von Monika Oleksiak. Die sehr zierliche junge Frau agiert höchst kraftvoll in der weiten Kuppel und bietet ihr Können mit viel Temperament dar. Als Höhepunkt des Auftritts zeigt sie einen Zahnhangwirbel, währenddessen sie mit zwei großen Fackeln einen hell lodernden Flammenring zeichnet.
Den fulminanten Final-Act bieten Lusesita & Matteo (Mateusz Krajewski) mit ihrer Perche Darbietung. Auf Stirn, Schulter und im Köcher balanciert Matteo die meterhohen Stangen, an deren Spitze Lusesita u.a. Spagat, Handstand und weitere akrobatische Figuren zeigt. Die Höhepunkte der Darbietung sind der Gang über eine Leiter mitsamt Stirnperche und Partnerin an deren Spitze, sowie das völlige ausdrehen der Partnerin an der Spitze einer hohen Perche.
Mit gekonntem Live-Gesang leitet Celia Berthier-Caroli das Finale ein. Dieses wurde als Flaggenparade choreographiert und bietet ein fröhliches buntes Bild. Der enthusiastische Applaus und die Standing Ovations des restlos begeisterten Publikums wollen kein Ende nehmen und es dauert eine geraume Zeit, bis „Madame Loyal“ die Besucher verabschieden kann.
Ganz großen Circus durften wir erleben und viel zu schnell sind die zwei Stunden erstklassiger Show vergangen. So bleibt uns nur zu sagen – Chapeau Nicolas Bouglione.