Text und Fotos Friedrich Klawiter
PATRICK ADOLPH
Neuwied, 05. Juni 2015

Patrick Adolph - ein Circusmensch mit Leib und Seele. Der erfahrene Pressesprecher, der mit verschiedenen Unternehmen weite Teile Europas bereist hat, ist nun in der zweiten Saison in dieser Funktion mit dem Zirkus Charles Knie auf Tour.
Circus wurde dem kleinen Patrick in die Wiege gelegt, da er auf der Reise geboren und aufgewachsen ist. Sein Vater war bis 1983 u. a. künstlerischer Leiter im Staatszirkus der DDR und wechselte dann an den Friedrichstadtpalast. Die Auslandstourneen in den „befreundeten Bruderstaaten“ brachten auch für den jungen Patrick willkommene Auslandserfahrungen mit sich. Als Kind bereiste er u.a. Rumänien, Ungarn, CSSR, Russland, Ukraine und sogar Kasachstan.
Seine schulische Ausbildung schloss der junge Mann erfolgreich mit dem Abitur ab und nach Ableistung des Militärdienstes stand ihm ein Studienplatz zur Verfügung. „Aber ich hatte einfach keine Lust dazu, wollte aus dem Schul- und Lernbetrieb raus“ und so trat Patrick Adolph eine Anstellung beim Staatszirkus an. Von 1988 bis 1990 war er mit Berolina und Aeros unterwegs, u. a. auch bei einer Russland- und CSSR-Tournee mit dabei.
Sehr viele verschieden Aufgaben nahm der junge Mann in dieser Zeit wahr. „Es war eine umfassende Ausbildung in allen Abteilungen und Bereichen des Circus die ich durchlief. Bei der Reklamekolonne war ich genauso zu finden, wie im Stall oder beim Zeltbau. Ich war Requisiteur, saß im Büro“. Ich sollte über den Staatszirkus ein Fernstudium machen, zudem es allerdings nicht kam. Meine damaligen Direktoren Hans Rainer Texdorf und Hans Bernsdorf haben mich bei meinen ersten Schritten als Erwachsener im Circus
sehr unterstützt.

Nach der Wende ging es mit dem Staatszirkus bergab, das Ende war schnell absehbar und ein neuer Arbeitgeber musste gefunden werden. Beim Zirkus Probst war eine Stelle frei und Adolph, der Rüdiger und Mercedes Probst sowie Andreas Bleßmann von einigen früheren Begegnungen kannte, wechselte zu dem renommierten Unternehmen. „Rudolf Probst war ein exzellenter Circusmann, der sein Fach aus dem Effeff beherrschte. Bei ihm habe ich sehr vieles gelernt“, lässt man uns voller Hochachtung für den Grandseigneur des ostdeutschen Circus wissen. Zwei Jahre arbeitet Adolph im Büro bei Probst auch eng mit Andreas Bleßmann zusammen; danach ergab es sich durch Zufall, dass beim American Circus der Familie Togni ein deutschsprachiger Büroangestellter für die Deutschlandtournee 1993 gesucht wurde.
Die Direktion war von der Arbeit des jungen und sehr engagiert zu Werke gehenden Mitarbeiters angetan und verpflichtete ihn über das Ende der Tour hinaus. Letztlich hielt Patrick Adolph dem Unternehmen fünfzehn Jahre lang die Treue und bereiste mit dem Circus viele europäische Länder. In Slowenien, Kroatien, Niederlande, Belgien und Frankreich war der American Circus genauso zu Gast, wie in Deutschland, Ungarn und Rumänien und beim berühmten Gastspiel auf dem Roten Platz in Moskau war es für Adolph von Vorteil gut russisch zu sprechen.

„Die Zeit bei Americano war großartig und die Führungskräfte um Enis Togni, Dante Cardarelli und Hugo Nietzsch hervorragende Fachleute mit denen die Arbeit Spaß gemacht hat. Aber die Tourneen bei Americano wurden mit den Jahren immer kürzer und ich mochte es auf Dauer nicht so lange, von April bis Ende Oktober, im Quartier zu sein. „Auf alle Fälle waren diese 15 Jahre für meine Entwicklung mitentscheidend. Ich habe große Hochachtung vor der Familie Togni und freue mich immer, wenn ich jemanden aus der Familie treffe. Noch heute bin ich froh, besonders viel Zeit mit Enis Togni verbracht zu haben. Auch privat fand ich in Italien mein Glück und lernte bei Americano meine Frau kennen“.
Da Patrick eine enge Freundschaft mit Andreas Bleßmann verband bzw. verbindet nahm er 2007 ein Angebot an und kehrte zum Zirkus Rudolf Probst zurück . Dort bereiste er mit dem Zirkus Probst im 2 Jahresrhythmus die neuen Bundesländer. " Die Zeit bei Probst war sehr schön, da auch hier die Zusammenarbeit mit Andreas super funktionierte“.
Mit Saisonbeginn 2014 übernahm er die Stelle des Pressesprechers im Zirkus Charles Knie und ist in gleicher Funktion auch im Offenburger Weihnachtscircus aktiv.

Sein weiteres Arbeitsleben möchte der versierte Circusmanager auf jeden Fall im Dunstkreis der Manegen verbringen. „Etwas anderes kann ich mir für mich im Moment nicht vorstellen. Ich liebe diese Arbeit und ihre täglichen Herausforderungen, mag auch nicht so sehr lange an einen Ort gebunden sein. Ein längeres verweilen an einem Ort, wie z. B. in der Sommerpause bei den Tognis, empfinde ich, für mich persönlich, schon als schwierig.
Zusammen mit Ehefrau Norma Folco, sie stammt aus der großen italienischen Artistenfamilie Folco -  ihr Cousin Clown Jimmy Folco  und Bruder Paolo mit seiner großen Hundemeute sind zwei hierzulande bestens bekannte Mitglieder der Familie - möchte er solange es Alter und Gesundheit zulassen auf der Reise leben. Ein Altersruhesitz soll, wenn er einmal bezogen wird, in Italien - “auf jeden Fall dort wo es warm ist und viel Sonne gibt“ - liegen. „Wenn wir mal etwas Urlaub haben, sind wir beide bekennende Kuba Fans“.

Patrick Adolph ist ein Anhänger des traditionellen Tiercircus. Eindeutig spricht er sich für tierreiche Programme mit den sogenannten Wildtieren aus. „Bei guter Haltung, sachkundiger Pflege und Training spricht nichts gegen die Haltung und Vorführung von Elefanten, Raubtieren und anderen Tieren im Circus. Solange die Bestimmungen es erlauben sollten Circusse nicht darauf verzichten“. Klassische Nummernprogramme, abwechslungsreich und leistungsstark in den Genres in moderner, die heutigen Möglichkeiten nutzender Präsentation nennt er als seine bevorzugte Circusform. Als wichtigen Baustein einen Circus gut und erfolgreich zu betreiben sieht er ein erstklassiges Marketing. Vielseitige und umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit seien entscheidend, dazu kommt noch ein sauberes ansprechendes Erscheinungsbild des Unternehmens, für den Erfolg, denn auch das beste Programm nutzt nur wenn potentielle Besucher davon keine Kenntnis erhalten.

Die Führung eines Circus sei in Italien um einiges schwieriger als hierzulande. Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Behörden gestalte sich anspruchsvoller. Genehmigungen zu erlangen, z. B. für Werbung erfordern wesentlich mehr Aufwand an Zeit und Geld. Die Bauabnahme erfolge nicht nach einheitlichen Regeln und Baubüchern, sondern wird von den Behörden jeder Stadt anders gehandhabt. „Zudem stehen vom ersten Augenblick ununterbrochen permanent Dutzende Angehörige aller Arten von Behörden und Verwaltungen vor dem Büro und erwarten allesamt größere Kontingente Freikarten für sich, ihre Familien, Freunde und Kollegen. Werden die Erwartungen nicht erfüllt, erhöhen sich die Probleme“.
Auf der anderen Seite lobt Patrick Adolph die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Italiener. Als er beispielsweise am Ende seiner ersten Saison beim American Circus, damals sprach er noch kein italienisch, vom Quartier in Verona nach Palermo geschickt wurde um das Weihnachtsgastspiel vorzubereiten und die Werbekolonne anzuleiten, habe man ihn super aufgenommen und nur dem Verständnis und der Hilfsbereitschaft der Gesprächspartner war es geschuldet nicht gescheitert zu sein.
An seine Zeit bei den Tognis erinnert sich Patrick Adolph gerne und betont besonders, dass ihm das Länder übergreifende reisen, die Tourneen in vielen verschiedenen Staaten und Kulturkreisen besondere Freude gemacht haben und er immer wieder gerne mit den unterschiedlichen Mentalitäten der Menschen in Berührung kam. Dem gegenüber empfindet er es aber auch sehr reizvoll mit den inländischen Unternehmen in einem festen Zeitrahmen wieder in die gleichen Städte zurück zu kehren und so Bekanntschaften wieder aufleben und festigen zu können.
Bei seinen drei Arbeitgebern fühlte und fühle er sich sehr wohl betont Patrick Adolph. Für ein gedeihliches Ergebnis sein ein gutes Betriebsklima unabdingbar. Zudem wertschätzt der erfahrene Manager das Vertrauen der Direktionen, die ihren Mitarbeiter nicht auf einen rein Ausführenden reduzieren, sondern ihn in Ruhe seine Aufgaben erledigen lassen und sich auch anderen Ideen aufgeschlossen zeigen.

Wir danken Patrick Adolph für die freundliche Aufnahme, das offene, ausführliche und informative Gespräch und für die Zeit, die er sich für uns genommen hat.
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