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Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCUS PROBST
Mühlhausen, 06. April 2019

www.circus-probst.de
Den Titel „Fantastico“ trägt die aktuelle Produktion des Circus Probst völlig zu Recht. Erstklassige Tier-Darbietungen, hochkarätige Artistik und hervorragende Clownerie vereinen sich zu einer spannungsgeladenen  harmonisch und flott ablaufenden Show.
Im thüringischen Mühlhausen war der Circus auf dem Festplatz aufgebaut. Die rot-gelb gestreiften Zeltanlagen strahlen in der hellen Frühlingssonne. Der dekorative Zierzaun mit Lichterbögen schließt die Frontseite des Platzes ab und wird nur durch den charakteristischen Kassenwagen sowie das große Eingangsportal unterbrochen. Die beeindruckende Reihe der rot lackierten Zugmaschinen hat ihren Platz gleichfalls in der Front.
Großzügige Stallanlagen mit Freigehegen, sowie der umfangreiche Fuhrpark des Circus mitsamt den Wohnwagen von Direktion, Mitarbeitern und Artisten nimmt den Platz um die Zelte ein.
Das geräumige Vorzelt ist gemütlich eingerichtet. Ein neuer, attraktiv gestalteter Verkaufswagen fällt sofort ins Auge. Weitere Verkaufsstände ergänzen das umfangreiches Angebot und eine Café-Ecke lädt zum verweilen ein.
Das Chapiteau bietet im Innern den gewohnten Anblick. Siebenreihiges, teils mit Schalensitzen bestücktes Gradin, Rote Logen mit bequemen Polsterstühlen und der große markante Artisteneingang sind regelmäßigen Besuchern vertraut.
Erstmals hat Annett Simmen, die seit einigen Jahren im Gelsenkirchener Weihnachtscircus Regie führt, auch für das Tourneeprogramm des Circus Probst diese Aufgabe übernommen.
Das gekonnt aufspielende Orchester unter der Leitung von Yuri Rebenok unterstützt die auftretenden Artisten mit stimmigen Arrangements und Andreas Probst setzt die Show mit einem abwechslungsreichen Lichtdesign perfekt in Szene.

Im flott inszenierten Opening „erweckt“ Clown „Slobi“ durch die Berührung mit einer roten Feder die erstarrt in verschiedenen Posen verharrenden Artisten zu neuem Leben. Nach einer kurzen Aktion nehmen sie ihren Platz auf der Showtreppe des Artisteneingangs ein. Juniorchefin Stefanie Probst obliegt die Begrüßung des Publikums und in charmanter Weise gibt sie die Manege für die erste Darbietung frei.
Mit einer attraktiven Luft-Darbietung gelingt der Einstieg in die Spielfolge in vorzüglicher Weise. Miss Hanna präsentiert am Luftring eine nicht alltägliche Trickfolge. Die junge Frau bezieht auch die Aufhängung des Requisits in die Evolutionen mit ein und mit einem erstklassigen Zehenhang findet der Auftritt seinen gelungenen Abschluss.
Gemeinsam mit ihrem Partner bildet sie das Duo Oleksander, das mit einem hervorragenden Auftritt am Hängeperch begeistert. Die äußerst trickstarke Nummer bietet eine Reihe risikoreicher Voltigen, die allesamt in exzellent gearbeitet werden. Mit dem furiosen ausdrehen im Zahnhang bietet die Darbietung einen sehenswerten Höhepunkt.

Vier Tier-Darbietungen aus dem großen Repertoire der Familie Probst sind in dieser Saison zu erleben. Zunächst präsentiert Stephanie Probst elegant und gekonnt einen Sechser-Zug schneeweißer Araberhengst. Souverän wie stets agierend lässt die Juniorchefin die zahlreichen Figuren ablaufen. Vier verspielte Dartmoore-Ponys und diverse Steiger der Araber werden zum Da Capo geboten.
Vor der Pause ist traditionell Direktor Reinhard Probst mit dem großen Exotenzug des Hauses zu erleben. Kaltblutpferde, Kamel, Dromedar, Watussirinder, Lamas, Emu, Zebra und ein Zebroid sind in den verschiedensten Formationen mit vielfältigen Abläufen, die schwungvoll und in erstklassiger Manier ausgeführt werden, zu erleben.
Stephanie Probst und Ehemann Sergui Munteanu sind gemeinsam mit einer munteren Ziegenherde im roten Ring zu erleben und Töchterchen Celina unterstützt ihre Eltern nach Kräften. Die sieben Tiere unterschiedlicher Rassen und Größen beherrschen ein breites Repertoire genreüblicher Tricks. Zwei gescheckte Esel, deren Fellfarben hervorragend mit denen der Ziegen korrespondieren sind gleichfalls in die Darbietung integriert.
Sergui Munteanu reitet gekonnt die Ungarische Post. Auf einem Paar prachtvoller Friesenhengste umrundet der Stehendreiter die Manege und lässt nach und nach sechs Vorauspferde unter sich passieren.

Erstklassige Clownerie bieten Vladimir und Olga Slobodeniuk in ihren vier Szenen. Zunächst hält „Automatenmensch“ Olga Clown „Slobi“ auf Trab. Er wuchtet sie auf der Schulter in die Manege, hält sie beim Geige spielen in Gang und ist zur Stelle, als sie hin zu fallen droht - doch sie verliert ihr Herz an einen Logenbesucher.
Eine rotbraune Katze und zwei weiße Ratten bestimmen den nächsten Auftritt. Eine Ratte nimmt auf dem Kopf eines Logengastes Platz und beide turnen auf dem Clown herum. Die Katze zeigt verschiedene Sprünge und begegnet, über einen Steg balancierend einer der Ratten.
Die Tücken einer kleinen Bank, auf der „Slobi“ neben Olga Platz nimmt um der Angebeteten eine Blüte zu überreichen, überwindet der Clown auf originelle Weise.
Schließlich erleben wir nach längerer Zeit „Slobi“ wieder einmal auf dem Schlappseil. Gekonnt werden die verschiedenen Balancen ausgeführt und Einrad gefahren.
Selbstverständlich ist Sergui Munteanu wieder als „Jim Bim“ auf dem Trampolin in der Show zu sehen. Als „betrunkener Artist“ arbeitet er Kaskadenstürze am Sprungturm und die Saltos auf dem Trampolin werden mit Comedy und einem Striptease zu einer Slapstick-Nummer komponiert.

Tamara Khurchudova arbeitet im ersten Programmteil ihre spannungsgeladene Nummer am Schwungtrapez. In brillanter Weise werden die zahlreichen Abfaller und Pirouetten hoch in der Kuppel ausgeführt. Im zweiten Teil der Show präsentiert die temperamentvolle Artistin ihre Antipoden-Darbietung, die mit vielen Lichteffekten nochmals aufgewertet wird. Sehr speziell sind die beiden Twirlingstäbe, die in vollem wirbeln neben den verschiedensten Farbwechseln u.a. das Konterfei von Marylin Monroe, der Mona Lisa oder auch das Logo des Circus Probst im weiten Rund erscheinen lassen.  Mehrfach lässt sich die Artistin, während kleine im Schwarzlicht leuchtende Teppiche über Hände und Füße wandern, in einer Schlaufe hoch in die Kuppel ziehen.
Der zweite Programmteil beginnt mit den „Gerlings“ auf dem Todesrad. Rasant absolvieren die beiden Artisten ihre umfangreiche Trickfolge. Weite Sprünge in den Kesseln bestimmen den ersten Teil des Auftritts. Seil springen auf der Außenbahn wird gefolgt vom einem erstklassig ausgeführten Blindlauf. Hohe Absprünge auf dem schnell rotierenden Rad bilden den Höhepunkt des Auftritts.
Zu guter Letzt sind die „Gerlings“ zu dritt auf dem Hochseil zu erleben. Viele hochkarätige Tricks des Genres -  u.a. Sprung über einen und zwei Partner, Zwei-Mann-Hoch, Fahrrad fahren, Seil springen und Kopfstand auf dem Seil - folgen in erstklassiger Weise aufeinander. Zum Höhepunkt der Darbietung zeigt die Truppe eine Dreier-Pyramide mit freiem Stand auf einem Stuhl.
Das anschließende fröhliche Finale lässt das ser gute und geschickt zusammengestellte Programm des Circus Probst in geeigneter Weise ausklingen. Clown Slobi berührt seine Kollegen, nun mit einer schwarzen Feder, und sie erstarren in der gleichen Position die sie zu Beginn der Show inne hatten. Stephanie Probst stellt alle Mitwirkenden noch einmal vor und verabschiedet ein überaus zufriedenes Publikum, dass mit lang anhaltendem, frenetischem Applaus seine Begeisterung zeigt.