optimiert



Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCUS OF TORMENT
Valkenswaard, 26. Oktober 2019

www.circusoftorment.com
Zum zweiten Mal findet der „Circus of Torment“, den Diabolojongleur Michael Betrian in Zusammenarbeit mit Sandor Donnert veranstaltet in diesem Jahr zu Halloween statt. Der englische Begriff „torment“ steht für: quälen, peinigen, plagen, foltern, ärgern, piesaken traktieren, stören und bezeichnet in diesem Fall treffend einen „Horror Circus“. Mit einer hervorragend inszenierten und ausgestatteten Show, die mit hochkarätigen Artisten und Acts aufwartet begeistert das junge Unternehmen sein zahlreich erschienenes Publikum.
Erstmals gastierte der „Circus of Torment“ im Zelt, nachdem die Vorstellungen im letzten Jahr in einem Museum stattfanden.
Das erstklassige Equipment der Familie Donnert bildet den äußeren Rahmen und ist in einem kleinen Park inmitten der Stadt aufgebaut. Unter hohen Bäumen steht das schmucke Zwei-Masten Chapiteau. Ein nostalgischer Kassenwagen und große Spannbänder, mit dem Logo der Show bedruckt, bilden die Front. Die gewählte Location sorgt in Verbindung mit der Wegebeleuchtung mit Grablichtern für eine düstere und leicht unheimliche Atmosphäre.
Der Foyer- und Restaurationsbereich ist ins Hauptzelt integriert und mit schwarzen Planen  abgetrennt.
Im Hauptbereich des Zeltes ist zentral eine erhöhte Bühne von ca. fünf Metern Durchmesser angeordnet. Sie wird von einigen Reihen Klappstühlen dicht umrundet, auf ein Gradin wurde bei dieser Veranstaltung verzichtet. Im Hintergrund des Zeltes ist der dem Motto der Show entsprechend dekorierte Artisteneingang platziert.

Bereits während des Einlasses sind zwei Horror-Clowns im Zuschauerraum unterwegs. Mit langsamen Bewegungen gehen sie umher, bauen sich dicht vor einzelnen Besuchern auf und machen - nichts. Trotzdem erzeugen sie bei vielen Gästen, wenn sie lange und sehr dicht verharren und die Personen anstarren, deutlich sichtbar großes Unbehagen. Sie tragen, wie alle Akteure, hervorragende aufwändig gefertigte Masken und Kostüme, die Impressario Michael Betrian erwerben konnte. Der junge Veranstalter legt allergrößten Wert auf eine erstklassige Ausgestaltung der Show und ließ eine Story schreiben, die die gesamte Show begleitet. Mit einem professionellen Sprecher vertont, klingt sie aus den Boxen und Nigel Fox verkörpert passend dazu „Alexander Ferluci“ - die Titelfigur - auf der Bühne. Leider verhindern mangelnde Sprachkenntnisse ein Verstehen der Erzählung. Auch alle Artisten werden als Figuren der Story annonciert und treten entsprechend in Erscheinung.
Tais Ferreira verkörpert „Lady Martha“ und ist mit ihrer Akrobatik an weißen Strapatentüchern als erste zu erleben. Gekonnt bietet die junge Frau ihre ansprechende Trickfolge dar.
Die ungewohnte, immense Nähe der Zuschauer zum Geschehen eröffnet neue und interessante Einblicke und lässt auch bekannte Darbietungen anders erleben.
So z. B. die Handstand-Equilibrstik von Armando Liazeed. Die vielseitigen hochkarätigen Tricks erfolgen in Perfektion. Variantenreiche Handstände und Einarmer, inklusive Klötzchensturz werden geboten, nur die Tricks auf der Treppe fallen den Besonderheiten des Auftrittsortes zum Opfer.

„The Great Leonardo“, alias James Field bildet mit seiner Comedy-Magie einen roten Faden in der Show. Immer wieder versucht er im klassischen, wenn auch ein wenig ramponierten Habitus eines Magiers mit seinen Zaubertricks zu punkten. Dies gelingt sehr gut, allerdings nicht mit den „unzulänglichen“ Tricks, sondern mit der gewollt unfreiwillig misslungenen Präsentation derselben.
Des weiteren sind die Gruselclowns mit mehreren Reprisen - u..a. Popcorn, vier Stühle, Messerbrett - in der Show vertreten und bedienen mit ihren Auftritten gleichfalls die Komiksparte. Allerdings bringen sie, im Gegensatz zu „Leonardo“ auf Grund ihres Auftrittsstils die Besucher weniger zum lachen, da sie stets eine Aura des Unheimlichen umgibt.

David Sosman zeigt sich als versierter Jongleur, der seinen Auftritt mit variantenreichen Keulen-Routinen startet. Den weiteren Verlauf seiner Darbietung gestaltet er als Bounce-Jongleur. Sicher und gekonnt werden bis zu acht Bälle manipuliert.
Klischnigger Taras begeistert mit seiner fulminanten Arbeit. Als irrer Freak agierend, sind seine Hände zunächst mit Handschellen gefesselt. Er bringt Körper und Gliedmaßen in einem schnell ablaufenden wilden Wirbel immer wieder in neue extreme Positionen, indem er durch die gefesselten Arme steigt, die Hände hinter und vor seinen Körper bringt. Schließlich zwängt er sich durch ein enges stabiles Dreieck aus massiven Metallrohren.
Nach der Pause arbeite Nicol Nicols seinen bestens bekannten Act auf dem Seil. Auf Grund der Gegebenheiten findet sein Auftritt hinter der Bühne, unmittelbar vor dem Artisteneingang statt.
In der zweiten Luftnummer der Show erleben wir Stefanie an den Strapaten. Kraftvoll erfolgen die gängigen Tricks des Genres.
Simona Rhodin präsentiert gekonnt eine mitreißend inszenierte Hula Hoop Nummer. In vielseitiger Weise lässt sie die Ringe rotieren und schließlich sind es mehr als zwanzig, die um ihren Körper rotieren.

Michael Betrian lässt es sich natürlich nicht nehmen, seine erstklassige Diabolo-Jonglage zu präsentieren. Rasant erfolgen die vielseitigen Routinen und viele anspruchsvolle Figuren werden souverän ausgeführt. Schon bald werden zwei Diabolos zur gleichen Zeit manipuliert und zum Abschluss fliegen gar drei von ihnen immer wieder hoch in die Kuppel.
Als finalen Act sind die Skating Willer zu erleben. Unmittelbar am Rand der kleinen Plattform sitzend, erhält der Auftritt eine ganz besondere Rasanz und gefühlt fliegt die Voltigeuse über den Köpfen der ersten Reihe Zuschauer.
Selbstverständlich mündet die Show in ein passend in Szene gesetztes Finale, „Alexander Ferluci“ hat seinen letzten großen Auftritt und im Moment als er sich „erhängt“ und seinem Dasein ein Ende setzt verlöschen die Lichter.
Im vollbesetzten Auditorium kam die Show allerbestens an. Die Kombination aus hochkarätigen Acts, die zu Halloween in einer besonderen Weise präsentiert werden trifft offensichtlich den Geschmack des Publikums.