Text und Fotos Friedrich Klawiter
ZIRKUS CHARLES KNIE
Neuwied, 22. April 2026

www.zirkus-charles-knie.de
Der Zirkus Charles Knie bleibt auch in der laufenden Saison seinem erfolgreichen Konzept einer Wasserspektakel-Produktion treu. „Europas Top Circus“ verspricht mit seiner Show „Splash“ „100.000 Liter Emotionen“ zur Show werden zu lassen.
Der Circusplatz in Neuwied, die Kirmeswiese, bietet dem großen Circus den geeigneten Raum sich in Bestform zu präsentieren.
Der Circus bietet den bestens bekannten, attraktiven Look – dekorative Fassade, modern designete Zeltanlagen und Fahrzeuge im passenden markanten Dekor. Dazu kommt in der Dunkelheit die opulente Illumination mit vielfältigen Blinkeffekten, Lauflichtern, Kandelabern und Lichterketten.
Im Vorzelt nehmen die beiden Verkaufswagen die Längsseiten ein und finden in einer Reihe weiterer Stände Ergänzung. Zahlreiche Tisch- und Stuhlgruppen erhöhen die Aufenthaltsqualität.
Mit Saisonbeginn wurde ein neues Gradin angeschafft. Komplett mit leicht gepolsterten Einzelklappsitzen ausgestattet bietet es, nach Angaben des Unternehmens, rund eintausendzweihundert Besuchern Platz. Auf einen zentralen Eingang und Treppenaufgänge wird verzichtet, stattdessen führen vier flache Rampen in den Gang hinter den vier, ansteigend angeordneten Logenreihen. Die Sitzreihen steigen recht steil an und bieten ein wenig mehr Beinfreiheit als bisher.

Die Inszenierung der aktuellen Show basiert im Wesentlichen auf der erfolgreichen Vorjahresproduktion. Prägendes Element bleibt, neben dem Wasser, das große Ballett. In sehr vielen, üppig ausgestatteten Auftritten sind die Charles Knie Dancers zu erleben und verschiedene Mal komplettiert Sängerin Katie Capri die Szenen.
Eine Stimme aus dem Off übernimmt mit launigen Sprüchen die gesamte Moderation der Show.
Das bewährte Opening wurde beibehalten und zu den ersten empor sprudelnden Fontänen erobern „Meerjungfrauen“, „Seepferdchen“ auf Rollern, „Quallen“ und „Korallenfische“ die Szene. Eine schillernde Nixe – Veronika Faltyny – schwebt vom Rand eines gläsernen Wasserbassin am Netz in die Kuppel. Die mitreißend, inmitten hoch empor steigender Fontänen präsentierte Luftnummer findet Ergänzung mit zahlreichen Aktionen im Wasser.
Variantenreich manipuliert Jongleur Zdenek Polach große weiße Gummibälle. Drei und vier von ihnen bestimmen die ersten Routinen. Dann steigert sich der Schwierigkeitsgrad über fünf auf sechs Bälle. Zum Höhepunkt des Auftritts hält der Jongleur sieben Bälle in der Luft, von denen vier aus einem Metallgestell, das er um die Hüfte schnallt, in das Muster eingefügt werden.

Weiterhin Bestandteil der Show ist der Kontorsion Act von Lorenzo Bernardi, der als weiteren Hingucker seinen Tisch mit einem dezenten LED Lauflicht versehen hat.
Auch die beiden Tier-Darbietungen von Laura Urunova – Papageien Revue und Pudeldressur – wurden prolongiert.
Gleiches gilt für die Strapaten-Darbietung von Devin und Davide, deren kraftvoller Vortrag das Publikum begeistert. Natürlich unterstützt der effektvolle Einsatz der bis in die Kuppel aufsteigenden Fontänen die Publikumswirksamkeit.
Gleiches gilt für die Handstand-Equilibristik, die Devin di Bianchi im Habitus von Meeresgott Neptun auf einer antiken Säulen nachempfundenen Stele zelebriert.
Die drei Auftritte von Michael Cadima bedienen das komische Fach. Nachdem er sich seines imaginären Hundes entledigt hat, nimmt er an einem imaginären Schlagzeug Platz und mimt zu den eingespielten Beats den coolen Drummer. In der zweiten Reprise geht es sportlich zu. Gemeinsam mit einem Mitspieler aus dem Publikum erleben wir die Disziplinen imaginäres Seil springen und imaginärer Basketball. Zu guter Letzt sehen wir den Komiker als Sänger, der allen Widrigkeiten trotzt und seinen Auftritt durchzieht. Zum Song „I'm still standing“ kämpft er mit dem Mikrofon, mehrfach mit seiner herabrutschenden Hose und einer tückischen Stufenleiter.
Selbstverständlich gehört zu einem Circus unter Wasser das „Ballett der tanzenden Fontänen“, das eindrucksvoll die vielseitigen Möglichkeiten der technischen Anlage aufzeigt.
Rhythmisches trommeln und wirbelnde Bolas sind die charakteristischen Elemente der südamerikanischen Folklore der Truppe „Argendance“.
Die rasante Rollschuh-Darbietung der Skating Ernesto, seit Jahren fester Bestandteil der Programme bei Charles Knie, zeigt sich in dieser Saison stark verändert. Wurde die Nummer bisher ganz in weiß und poetisch inspiriert gearbeitet, ist man nun zu schwarzen Kostümen und einem rockigen Stil gewechselt. Zudem ist nun Daniel, ein Sohn des Paares in den Ablauf integriert. Ein neuer Trick, bei dem drei große mit Gas gefüllte Ballons mittels einer Fackel am Fuß der Voltigeurin in Feuerbälle verwandelt werden, ist nun ebenfalls zu erleben.

Nur selten sind weibliche Artisten mit Deckenlauf zu erleben. Angela Martini startet ihren Auftritt in dieser Disziplin und quert mehrfach kopfüber die Kuppel. Dann wechselt sie ans Schwungtrapez und zeigt mit Fersen- und Zehenhang sowie Abfallern eine Reihe anspruchsvoller Tricks, die ohne Vorteil ausgeführt werden.
Das Duo Shock – Sonny Gärtner und sein Partner –  sind auf dem US-Todesrad Garanten für Nervenkitzel. Rasant erfolgen in hohem Tempo alle relevanten Tricks dieses riskanten Genres. Nach Sprüngen in den Kesseln läuft Sonny Gärtner blind auf der Außenbahn und springt Seil. Hohe spektakuläre Absprünge führen zu lebhaften Reaktionen auf den Rängen und atemlose spannungsgeladene Stille herrscht beim abschließenden Rückwärtssalto.
Als finale Darbietung sind die neun Mitglieder der Kolfe Troupe zu erleben. Beim diesjährigen Monte Carlo Festival wurden sie für ihre Kombination von Schleuderbrettartistik und Ikarischen Spielen mit einem Silbernen Clown ausgezeichnet. Es ist schön, das diese akrobatische Melange nach einigen Jahrzehnten wieder einmal gezeigt wird. Die Trinka ist in einiger Höhe mittig über dem Schleuderbrett installiert und alle Sprünge führen auf die Füße des Porteur. Spektakulär wird es bei Tricks im Zwei-Mann-Hoch, bzw. beim weiten Flug über den Porteur und Voltigeur auf der Trinka hinweg.
Im Finale werden noch einmal alle Register gezogen. Die Bühnemitte fährt zu einer flachen Erhebung aus auf der die Sängerin performt. Umgeben von rauschenden Kaskaden tanzt das Ballett und die unzähligen kleinen Spiegel auf den Kostümen brechen das Licht zu abertausenden funkelnden Strahlen. Das große Artistenensemble nimmt seine Positionen ein und mit lang anhaltendem Beifall und Standing Ovations feiert das begeisterte Publikum die Show und ihre Akteure.
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