Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRQUE SPECTRA - DANIEL PREIN
Metz, 11. April 2026
https://www.cirquespectra.be/gravity


Der Cirque Daniel Prein cooperiert seit einiger Zeit mit dem Cirque Spectra, einer Marke der belgischen l'agence Concept Lounge SRL BE. Im vergangenen Jahr reiste man in Belgien, nun ist man aktuell in den beiden größten Städte Lothringen auf Tour. Der schmucke Circus überzeugt nicht nur mit seinem gepflegten Material sondern bietet darüber hinaus eine modern konzipierte und sehr unterhaltsame Show.
Auf dem Circusplatz im Messegelände in Metz zeigt sich der Circus in großzügiger Formation aufgebaut. Blau, weiß, rot – die französischen Nationalfarben zieren das komplette Material. Die roten Zelte sind mit spiralförmigen blauen Streifen, mit weißen Sternen darin, designt. Das Zwei-Masten Chapiteau wird von einem Metallbogen über der hohen spitzen Kuppel überragt. Sechs mächtige Quaderpools formen die voluminöse Kuppel.
Ein dekorativ gestalteter Fassadenwagen bildet die attraktive Front des Unternehmens. Großformatige Clownsköpfe und Steigerpferde sowie opulente goldfarbene Ornamente gestalten die Flächen und laden zum Besuch. Ein dekorativer Zierzaun, in mehreren Feldern sind große Spannbänder mit dem Plakatmotiv integriert, schließt die Frontseite des Platzes ab.
Wie im französischen Circus allgemein üblich, werden auch hier wesentlich längere Transporte, entweder Sattelzug mit Jumbo-Anhänger, bzw. mehrere große Anhänger an einem Lkw, gefahren. Der in einem satten Rotton lackierte Fuhrpark zeigt ein lebhaftes Dekor. Große aufgemalte blaue Plaketten bilden den Hintergrund für die weißen Lettern des Circusnamens und je zwei große Clown-Konterfeis komplettieren das Dekor.
Die Transporte sind zu beiden Seiten des Platzes abgestellt, während der rückwärtige Teil den zahlreichen Wohnwagen und Campings vorbehalten ist.
Im Vorzelt hat der Verkaufswagen der Circusrestauration seinen Platz und auch die Tickets zum Besuch der Shows sind hier zu erhalten.
Das Chapiteau wird vom großen, raumhohen Artisteneingang aus rotem Samt dominiert. Ein fünfreihiges Bankgradin und feine Logen, mit Stoff bezogenen Klappstühlen stehen für die Besucher bereit. Eine rote Piste mit integrierten Leuchten rahmt die Manege ein, die komplett mit einem Teppich, dessen Farben und Design perfekt mit dem Zelt korrespondieren, bedeckt ist.
Die Show unter dem Motto „Gravity“ zeigt sich modern und stringent inszeniert. Gutes Licht und eine stimmige, mitunter stark dramatische Musikbegleitung, tragen die Show und unterstützen die Artisten.
Beinahe schon revolutionär für französischen Circus ist der Verzicht auf einen „Monsieur Loyal“. Stattdessen heißt eine – professionell aufgenommene – Stimme aus dem Off das Publikum willkommen und lässt sich in wohl gesetzten Worten, während der sehr kurzen dunklen Momente zwischen den Darbietungen, über die Schwerkraft – Gravity – ihre Erscheinungsformen, ihre Bedeutung für unser Dasein und ihre Wirkung aus.
Der erstklassige Strapaten-Act von Brad Dubois lässt die Show furios beginnen. Die umfassende Abfolge vieler Tricks des Genres wird kraftvoll dargeboten und weite Flüge füllen die Kuppel. Gekonnt und in sehr guter Ausführung erfolgen die Aktionen, die in einem Wirbel aus ca. zwanzig Überschlägen ihren Höhepunkt finden.
Wenig später sehen wir den jungen Mann gemeinsam mit dem Chef des Hauses, Daniel Prein, mit Handstand-Equilibristik auf Stühlen. Auf einem sehr hohen Piedestal erfolgen die ersten Handstandfiguren der beiden Akteure parallel, dann steigert sich der Schwierigkeitsgrad der Tricks permanent und die Artisten arbeiten alternierend. Ruhig und sehr sicher erfolgen die Handstände auch auf sehr labil angeordneten Stuhlformationen.
Der dritte Auftritt der Direktionsfamilie sieht Izzy Prein als Laser Woman. Charmant „dirigiert“ die junge Frau die bunten Lichtstrahlen.
Clown „Pedro“ ist in vier Reprisen zu erleben. Er verkörpert eine sympathische Figur, die beim Publikum ausgezeichnet ankommt. Sein stringentes Spiel führt zielstrebig zur Pointe und verzichtet auf Längen. Zunächst kommen Tischtennisbälle zum Einsatz, die mit Schläger und Mund manipuliert werden. Wenig später zeigt er sich als begabter Tänzer mit einer lebensgroßen Puppe. Magic ist das Thema der dritten Reprise und nachdem sich zunächst Verblüffung breit gemacht hat, erweist sich die Zauberei denn doch als nicht so ganz problemfrei. Zu guter Letzt dirigiert der Clown mit Hilfe seiner Trompete den Applaus und befeuert mit seinem gekonnten und temperamentvollen Spiel die Stimmung im Rund.
In eine temperamentvolle Choreographie haben Victoria Labbe und Arthur Massibot ihre Hand-auf-Hand Akrobatik verpackt. Geschmeidig reihen sich die vielseitigen Tricks aneinander und lassen den Kraftaufwand und die Anstrengung beinahe vergessen. In seinem zweiten Auftritt präsentiert das Duo einen mitreißenden Tango an den Tüchern. Kraftvoll werden die verschiedenen Figuren ausgeführt und eine Reihe Abfaller, bei denen das Paar nur auf seine Griffkraft und ein gutes Timing vertraut, sorgen für den notwendigen Nervenkitzel.
Einen starken optischen Kontrast, sie trägt einen schwarzen hautengen einteiligen neoprenähnlichen Anzug, zum übrigen Programm bietet Aleksandra Kucher bei ihrem Jonglage Act mit langen roten Keulen. Ihr Stil zu jonglieren und ihre Routinen erinnern deutlich an den „Nouveau Cirque“.
Zwei Luftnummern präsentiert die kubanische Artistin Yeaimy Lorenzo Dominguez. Vor der Pause sehen wir ihre umfangreiche Trickfolge an einem „Kronleuchter“. In der großen und hohen Kuppel kommt der gekonnte Auftritt an dem großrahmigen Requisit besonders zur Geltung.
Im zweiten Teil präsentiert die sympathische junge Artistin eine formidable Zopfhang Darbietung. Sehr lange schwebt sie, ohne Berührung mit dem Boden, an ihren Haaren durch den Raum. Dabei legt sie eine enorme Beweglichkeit ihrer Gliedmaßen an den Tag.
Gleichfalls zwei Mal ist Veera Kaijanen in dieser Show zu erleben. Zunächst sehen wir ihren temperamentvollen Vortrag mit den Hula Hoop Reifen. Gekonnt und abwechslungsreich sind die Routinen und immer wieder werden weitere Reifen in den Ablauf integriert und der Schwierigkeitsgrad der Muster gesteigert.
Die hervorragende Drahtseil-Darbietung von Veera Kaijanen ist als finaler Auftritt zu erleben. Scheinbar schwerelos, im perfekten Einklang mit der Musik tanzt die Artistin auf dem Seil, kombiniert vielfältige Schrittfolgen und tänzerische Sequenzen mit akrobatischen Elementen und Sprüngen. Ansatzlos gleitet sie in einen vorzüglichen Spagat. Nach dem wechseln der Schuhe wird die letzte Bahn im Spitzentanz absolviert und auch dabei sorgen verschiedene Schritte und kleine Sprünge für Spannung und Abwechslung.
Im stimmigen Finale stellen sich die Mitwirkenden noch einmal vor und werden mit lebhaftem Applaus und Standing Ovations gefeiert. Direktor Daniel Prein verabschiedet ein überaus zufriedengestelltes Publikum, das dank des interessanten und abwechslungsreichen Programms, erstklassig präsentiert in einem schicken Rahmen, knapp zwei Stunden bester Unterhaltung genossen hat.